Section: Interviews 10334Autor: Amir
Datum: 22.08.2007
Bereich: Interviews

Mit Zeromancer auf der gr├╝nen Wiese

Zeromancer

Zeromancer


M├╝de von einer fast schlaflosen Nacht, schenkten uns die Jungs von Zeromancer ein paar Minuten ihrer Aufmerksamkeit um mit Blick auf den K├Âlner Dom ├╝ber das kommende Album zu plaudern.

Heavy-Metal.de: Ihr hattet eine ziemlich lange Pause mit Zeromacer. Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Kim Ljung: Da waren eine Menge Dinge zwischen unserem letzten Album "Zzyzx" und unserer letzten Europa-Tour und jetzt. Ich hatte mein eigenes Projekt. Ich wollte ein Soloalbum aufnehmen und das hat sich zu einem Monster-Projekt entwickelt. Ich habe ein Doppelalbum zusammen mit Dan aufgenommen. Es hei├čt "Ljungblut" und wurde 2005 ver├Âffentlicht. Eigentlich haben wir die meisten Zeit des Jahres 2004 damit verbracht, dass Album aufzunehmen. 2005 haben wir dann die Reunion von "Seigman" beschlossen, weil uns die Leute immer wieder danach gefragt haben. Es hatte sich bis dahin aber nie richtig angef├╝hlt. Aber jetzt, w├Ąhrend der Pause mit Zeromancer, passte es. Nach unserer Show in Trontheim vor 5.200 Leuten waren wir so gl├╝cklich, dass wir beschlossen haben noch weitere Konzerte mit Seigman zu geben. Allerdings nur in Norwegen. Danach haben wir ein Seigman Live-Album und eine Doppel-DVD aufgenommen. Anschlie├čend habe ich das zweite Ljungblut-Album "Kapitals" aufgenommen, welches in Deutschland im Herbst erscheinen wird. Aber f├╝r uns war es eigentlich keine wirkliche Pause, wir haben nur eine Menge andere Sachen gemacht, die aber alle irgendwie zu Zeromancer dazu geh├Âren. Aber jetzt ist es Zeit, dass wir alle wieder zusammen kommen und mit Zeromancer einige Shows spielen. Wir haben letztes Jahr z.B. die Orkus Club-Tour gemacht. Da haben wir wieder die Energie gesp├╝rt und sind ins Studio gegangen um mit den Aufnahmen zu einem neuen Album zu beginnen, welches eigentlich in ein paar Monaten fertig sein sollte.


HM: Euer letztes Album "Zzyzx" war doch etwas poppiger als die beiden Vorg├Ąnger. Was k├Ânnen wir von dem neuen Album "Sinners International" erwarten?

KL: Alle Alben von Zeromancer sind unterschiedlich, weil wir die Songs zu unterschiedlichen Zeiten schreiben und aufnehmen. Wir haben den Leitsatz, dass wir keinen Song ein zweites Mal schreiben. Es gibt eine Menge Bands, die immer und immer wieder das Selbe machen. Wir versuchen uns immer zu wandeln, einfach auch um uns lebendig zu f├╝hlen. Ich denke das neue Album wird anders klingen als die drei davor, eher so eine Art Kombination der Alben. Nimm die Bedeutung des Ganzen, pack die Dinge die, wir an den letzten drei Alben gut fanden und verschmelze es zu einem Album. Wir hoffen, das Beste zu optimieren.

HM: Wie kam es zu den Namen "Sinners International" ?

KL: Wenn ich an den Lyrics arbeite, mag ich es, mit den Worten zu jonglieren. Worte zusammen zu setzen, die eigentlich nicht zusammen passen, wie z.B. auch bei Zeromancer. Ich dachte bei "Sinners International" an eine Art lyrische Standortbestimmung, wo wir zu diesem Zeitpunkt stehen. Das gute an Zeromancer ist, das wir ├╝berall Fans haben. Wie haben die Idee, Sinners International zu einer pers├Ânlichen Sache zu machen, wie z.B. Sinners Norway, Sinners Germany usw..

HM: Was bedeutet S├╝nder f├╝r dich?

KL: F├╝r mich ist es eigentlich mehr das, was du denkst und niemandem erz├Ąhlst als das, was du tust. Au├čerdem denke ich, dass "Sinners International" ein cooler Album-Titel ist. F├╝r mich ist es wichtig, einen besonderen Namen zu haben, einen, der heraussticht und die Leute gefangen nimmt. Du kannst es auf ein T-Shirt drucken und die Leute denken "wow".

HM: Wie trefft ihr die Entscheidungen?

KL: Wenn ich an den Lyrics und Namen arbeite, zeige ich sie der Band. Und wenn jemand eine Idee hat, sprechen wir dar├╝ber. Wir sind eine Demokratie und es ist wichtig, dass jeder in der Band zufrieden ist. Sonst w├╝rde die Zusammenarbeit nicht funktionieren. Ich spiele jetzt schon so lange in einer Band. Es geht immer darum, dass jeder seinen Spa├č hat und jeder mit Respekt behandelt wird.

HM: In den meisten Bands schreibt der S├Ąnger auch die Songs. Bei euch schreibst du alle Songs. Wie funktioniert die Zusammenarbei mit Alex ?

KL: Wie haben auf diese Art schon bei Seigman zusammen gearbeitet. Wir haben schon 1989 angefangen, zusammen zu spielen und haben ein gegenseitiges Verst├Ąndnis. Ich zeige ihm meine Ideen und meine Texte und er interpretiert sie auf seine Art. Wenn ich ihm sagen w├╝rde, diese Zeile musst du so und so interpretieren, k├Ânnte er nicht damit arbeiten. Er hat seine Ideen, wie er die Songs umsetzt. Auf diese Art arbeiten wir im Studio und auch im Proberaum zusammen.

HM: Gibt es Tourpl├Ąne zum neuen Album?

KL: Wir w├╝rden sehr gerne touren. Im Moment gibt es aber noch keine konkreten Pl├Ąne f├╝r eine Tour. Es kann sein, dass es Anfang 2008 eine Tour gibt. Aber ihr Deutschen seid immer so durchgeplant, immer so weit im Voraus. In Norwegen sagt man, "Hey lass uns das in zwei Monaten machen". Da wir noch nicht genau wissen, wie weit wir mit dem neuen Album sein werden, riskieren wir nicht im Fr├╝hjahr schon f├╝r den Herbst zu buchen. Mittlerweile ist es etwas schwierig, noch etwas f├╝r den Herbst zu buchen. Vielleicht gibt es ein paar Shows. Vielleicht ergibt es sich, dass wir jemanden supporten. Wir w├╝rden gerne dieses Jahr noch in Deutschland spielen.

HM: Du hast eben von der Reunion von Seigman erz├Ąhlt. Macht es f├╝r dich einen Unterschied, ob du mit Seigman oder mit Zeromancer arbeitest?

KL: Da es andere Leute sind, sind nat├╝rlich auch die Beziehungen untereinander anders. Bei Seigman sind wir alle sehr gute Freunde. Wir sind zusammen aufgewachsen und wir haben uns aus einem ganz konkreten Grund getrennt. Es war damals eine sehr schwere Entscheidung. Wenn wir mit Seigman weitergemacht h├Ątten, w├Ąre das in Norwegen ein Riesenerfolg gewesen und wir h├Ątten eine Menge Geld verdienen k├Ânnen. Aber f├╝r mich geht es nicht um das Geld, sondern darum, Musik zu machen und Spa├č zu haben. Mit Zeromancer ist alles viel einfacher und befriedigender. Jeder ist gleich stark motiviert.

HM: Ihr habt alle eine Zeitlang in Amerika gelebt und ich habe gelesen, dass ihr etwas desillusioniert seid und deshalb zur├╝ck nach Europa gekommen seid. Wie haben dich deine Erfahrungen in Amerika in Bezug auf die Musik beeinflusst?

KL: Nach dem Split von Seigman haben wir mit Zeromancer in Amerika angefangen. Wir waren traurig, weil dieser Abschnitt zu Ende war, und es waren zwei harte Wochen, in denen wir ├╝berlegt haben, was wir tun sollen. Wir haben uns dann entschieden, ein paar Freunde in Amerika zu besuchen, die dort auch ein Studio haben. Ein paar von uns sind dann nach Amerika gegangen und haben angefangen, Demos aufzunehmen. Dann ging eigentlich alles ziemlich schnell. F├╝r uns war es sehr wichtig, woanders neu anzufangen. Wir haben in Amerika ziemlich viele Kontakte, weil wir dort schon mit Seigman im Studio waren. Die Menschen in Amerika sind sehr unterschiedlich. In Hollywood z.B. versuchen sich viele anzubiedern und sind sehr oberfl├Ąchlich. Auf der anderen Seite sind die Menschen dort sehr nett und offen. In Europa ist das ganz anders. Lass mich ein Beispiel anbringen: Wenn wir proben, sind nur wir im Proberaum. In Amerika sind alle T├╝ren offen und die Leute sagen, hey, kommt zu unsere Probe. Die Menschen dort sind sehr selbstbewusst. Wir begannen, ein Teil davon zu werden, was sehr wichtig f├╝r uns war. Selbstbewusst mit einer neuen Band zu beginnen und sich keine Sorgen zu machen, sondern es einfach zu tun. Davon haben wir uns ein St├╝ck mit nach Europa gebracht. Nicht zu viel, denn dann wird man zum Amerikaner. Norweger sind eigentlich ziemlich sch├╝chtern aber manchmal muss man das beiseite schieben, um an sein Ziel zu kommen.

HM: Was inspiriert dich zu deinen Songs?

KL: Wie wahrscheinlich die meisten Musiker oder Songschreiber lasse ich mich von ganzen Leben inspirieren. Wenn andere Musiker sagen, sie lassen sich von anderer Musik beeinflussen, ist das Mist. F├╝r mich pers├Ânlich ist Reisen sehr wichtig. Neue Eindr├╝cke gewinnen, ob aus der Tageszeitung oder aus Geschichten, die Leute mir erz├Ąhlen. H├Ąufig bekommen wir auch E-mails, in denen die Leute uns schreiben, wie wichtig Zeromancer f├╝r sie ist und mir dann ihre Geschichte und Erfahrungen mittteilen.

HM: In Finnland z.B. ist die Musik-Szene ziemlich eng miteinander Verkn├╝pft. Wie ist es in Norwegen?

KL: In Norwegen ist es nicht so. Die Musik-Szene ist ziemlich gro├č und sehr unterschiedlich. Es gibt viele Rockbands aber nur wenige gute Elektronik-Bands. Mit Seigman waren wir mehr Bestandteil der Szene. Norwegen orientiert sich musikalisch mehr an Gro├čbritannien, nicht an Amerika. In Norwegen schielt man mehr auf die Trends. Es gibt kein so gro├čes Zusammengeh├Ârigkeitsgef├╝hl.

HM: Werdet ihr euch heute noch Bands anschauen?

KL: Vielleicht Apoptygma Berzerk. Das sind auch Norweger und wir kennen sie ziemlich gut. Wenn ich auf einem Festival spiele brauche ich keine Unterhaltung. Dann bin ich mehr auf unseren Auftritt fokussiert. Aber wenn eine Band spielt, die mich besonders interessiert, dann nat├╝rlich.

Hier gibt┬┤s den Bericht zum Festival: http://www.heavy-metal.de/?id=10335

(Foto und Interview von Ilka Drockner)



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