Section: Tattoos 1406Autor: Sista S.
Datum: 13.05.2002
Bereich: Tattoos








Tatort Grugahalle Essen, 26.01.2001

Slipknot

Das lang ersehnte Interview mit den unvergleichlichen Slipknot´ern Shawn und Mad Turntable Man „Star Scream“ - wie er sich selbst nennt.

In Gefechtsstellung stehen Susanne (heavy-metal.de) als Interviewpartnerin und Mista Arno (vom Tattooscout.de) als Mann an der Fotomaschine.

Spannender Moment, klappt es jetzt? Werden wir, Arno und Susanne, als bestens getarnte Geheimagenten in die Halle und auf die Band (los)gelassen wie es in der peinlichst genauen Planung stand? Der Schwei├č stand uns auf der Stirn, der Blutdruck erh├Âhte sich ins beinahe unerme├čbare. Werden uns die Jungs von Slipknot lebendig verspeisen oder sind hinter den monstr├Âsen Masken liebreizende K├Ątzchen zu erwarten? Dieses Geheimnis galt alsbald zu l├╝ften. Eine Risikoversicherung wollte keiner gegenzeichnen.

Wer sind Slipknot und was machen sie? Falls es der letzte Leser immer noch nicht wei├č - hier die brutalen Facts.

Wollt Ihr also weiter nichtswissend vor Euch rumt├╝mpeln oder wollt Ihr mit fetten Panzern ├╝berrollt werden? You got the choice, dudes...

Bereits mit der ersten Platte ┬äSlipknot┬ô im Jahre 1999 erlangten die Jungs unumstritten Weltherrschaft. Slipknot wurden mit Preisen ├╝berh├Ąuft. Dazu z├Ąhlte schon das damalige Video ┬äWelcome To Our Neighbourhood┬ô. Ein Wahnsinnsspielplatz. Daf├╝r gab┬┤s Platin in den USA und auch in Australien. Super verdient nat├╝rlich.

Die aktuelle Scheibe ┬äIowa┬ô ist der lebende Beweis des Fortbestandes der 9-k├Âpfigen Band. Die Terminatoren der harten Zunft legten sich mal wieder richtig ins Zeug und im Vergleich zum ersten Album h├Ârt man heraus, was S├Ąnger Corey und seine Mannen dazugelernt haben. An Heavyness stehen Slipknot keinem nach ┬ľ zusammengef├╝hrt werden hier Grinssounds, schwarzes und Death ┬ľ und manchmal besticht die Musik durch melodi├Âse Umwege, die aber weder lasch noch langweilig sind.

Checkt bei heavy-metal.de die Reviews, und Ihr werdet auch Slipknot dort finden und Euch wundern. Men, Slipknot fucking rule...

The Interview:
Leider war nicht all zu viel Zeit ├╝brig, und wir mu├čten uns sputen. Beide Jungs waren sehr nett und vor allem redselig ┬ľbeinahe unstoppppppable. Wir durften nur leider keine Fotos ohne Masken machen, aber la├čt mal die Tatoo - Bilder auf Euch wirken.

Ihr seid gerade auf Europatournee. Wie l├Ąuft┬┤s?

"Wunderbar. Wir haben ziemlich viel Action, sweety. Im gro├čen und ganzen l├Ąuft es ganz gut. Die ein oder anderen Pl├Ątze kennen wir bereits, und wir wissen, wo┬┤s gut voran kommt oder auch wo nicht so viel abgeht. Also hier waren wir noch nie. So cool das touren auch ist, es ist ┬ähard on the body and hard on the mind┬ô. Es geht immer in die selbe Schiene ┬ľ ab zur venue, spielen ┬ľ weiter. Das stre├čt ganz sch├Ân, auch wenn wir uns das selber ausgesucht haben und im Grunde genommen Spa├č daran haben. An manchen Pl├Ątzen ist es dann aber ziemlich skurril, denn manchmal m├╝ssen wir uns um das Essen sogar selber k├╝mmern. Es wird vergessen oder einfach mi├čachtet. Ich finde es komisch, denn wichtig ist bei diesem Lebenswandel gesundes Essen, da wir k├Ârperlich und geistig viel bringen m├╝ssen und wir die Power nicht verlieren d├╝rfen. Wir haben einen sehr harten Job und sind in wirklich kurzer Zeit um mindestens 10 Jahre gealtert."

Das kann ich mir vorstellen. Aber der Erfolg entsch├Ądigt doch einiges, oder nicht?

"Schon, aber alles hat Grenzen. Viele Fans und Leute sehen die Albenverk├Ąufe und den me├čbaren Erfolg, aber welch harte Arbeit dahinter steht wei├č wirklich keiner."

Oh doch. F├╝r┬┤s erste Album ward ihr ja auch lange unterwegs, stimmt┬┤s?

"Auf jeden Fall. 18 Monate, und das zehrt. Wir spielten 6 Tage die Woche. Ein Wahnsinn ist das."

Dann habt ihr ja kaum die Chance was von den St├Ądten zu sehen...

"Nein, das stimmt nicht ganz. Ich versuche Interviews nach drau├čen zu legen, wie z.B. im Louve in Frankreich. Das ist schon ein sch├Âner Ausgleich. Ich sehe auch gerne Museen an, Sehensw├╝rdigkeiten oder auch andere interessante Dinge. Wenn das nicht so w├Ąre w├╝rde ich die Branche wechseln, ha ha ha. Dann w├╝rde ich vor die Hunde gehen. Das bringt auch wieder eine Art von Energie. Ich finde es sehr wichtig neue Kulturen kennen zu lernen."

Und Energie und Ausdauer braucht man wohl in eurem Biz...

"Reichlich. Aber man wird sch├Ân daf├╝r entlohnt, wenn man vor 3000 Leuten oder mehr spielt."

Ihr habt aber ne fette Anh├Ąngeschaft nicht nur hier in hier in Europa. Und ihr puscht die Leute sch├Ân auf bei den Gigs.

"Klar. Die Kids gehen irre mit. Manchmal ist das be├Ąngstigend sch├Ân, if ya know whatta mean, girl. Ich gebe den Fans einen Takt (wedelt dabei mit dem Arm herum) und die klatschen alle mit. Das ist irre, dude. Die kennen auch all unsere St├╝cke. Ich bin erstaunt, da├č sie alle Worte mitsingen. Haben die die St├╝cke geschrieben? Ha ha ha. Das hei├čt, da├č sie sich wirklich mit unseren Songs besch├Ąftigen, die Texte lesen und sich damit auseinander setzen oder gar identifizieren.. Wir predigen nicht, was sie tun sollen, auch wenn wir ┬äsoldiers┬ô sind. Es gibt eine tolle Connection a) zu den Fans und b) zu den Songs. Ich denke die Fans kennen really really good unsere Musik. Es gibt viele ups und downs die man durchl├Ąuft, aber die Fans bringen einen wieder hoch, und das ist es doch, oder? Unser Dank und Respekt geht daher immer an unsere Fans."

Ihr seid mit 9 Leuten in der Band. Eigentlich ein recht seltenes Bild.

"Danke. I agree. Jeder hat seine Aufgabe in der Band. Das Songwriting f├Ąllt uns quasi in den Scho├č. Einer kommt mit einem ┬äBam Bam Bam┬ô und der andere wei├č gleich was er drauf zu setzen hat. Das funktioniert sehr gut. Egal ob der DJ mit der Idee ankommt, oder der Gitarrist, oder oder oder. Wir kennen uns so gut da├č gar nicht gro├č diskutiert werden mu├č. Lange Diskussionen kann ich eh nicht immer vertragen..."

Ja, aber genau dieses ungew├Âhnliche macht euch aus. Ihr k├Ânntet ja auch zu viert ab-beaten...

(lautes Gel├Ąchter- mu├č ich dazu noch┬┤n Wort verlieren???)
"Ja cool, dann werden wir kommerziell und werden Million├Ąre. Ha Ha Ha"

Was ist euch denn wirklich wichtig?

"Man, da gibt es viele Dinge. Jeder Mensch hat seine Aufgabe. Wir bestehen mit der Band, das ist ein bedeutender Teil meines/unseres Lebens. Wir wollen Spa├č haben, aber ernsthaft die t├Ąglichen Situationen in Musik umsetzen. Das mu├č aber jeder selbst f├╝r sich entscheiden. Der eine ist ein prima Banker, der andere macht halt was er will. Ich konzentriere mich auf meine Vaterrolle ┬ľ meine Frau, ich bin verheiratet, will ausschlie├člich Mammi sein ┬ľ nichts anderes. Du wei├čt doch auch was du willst und was deine Bestimmung ist, oder? So sollte es auf jeden Fall sein. Was andere von uns erwarten ist wirklich egal."

Quasi „People=Shit“ he?

"Exactly woman."

Eure aktuelle Scheibe schl├Ągt ein wie nix ┬ľ die andere wird aber auch noch hoch gefeiert. Das spricht f├╝r euch, Bengels. Ich vermisse nur ein Video f├╝r die neue Scheibe ┬ľ eins vom alten Album wird st├Ąndig gespielt.

"Frag bitte direkt den Chef von Roadrunner ┬ľ der hat bestimmt ne Antwort darauf. Ich wei├č nicht, was da manchmal vor sich geht. Abwarten, vielleicht wird da doch noch was passieren."

Part II: Tattoospecial

Checkt die Fotos an. Die sprechen voll und ganz f├╝r die K├╝nstler, die sich auf der haut verewigt haben.

Die Artists, die daran gearbeitet haben, lieferten pr├Ązises Wunderwerk ab. An den K├Ârpern der Band arbeiteten die besten der besten ┬ľ die Elit├Ąre erste Garde der Spitzent├Ątowierer. Es waren Hanky Panky, Phillip Leau, Paul Booth, Sean Vasquez und Bernie Luther. Wer kennt diese gro├čen M├Ąnner nicht?

Der Slipknot Schriftzug am Bein wurde gleich von mehreren Künstlern als „Teamwork“ bearbeitet. Besonders spannend ist dabei folgendes:

Einer der T├Ątowierer begann zu ┬änadeln┬ô und ohne Absprache wurde das Motiv von den anderen Artists weiter bearbeitet und vervollst├Ąndigt. Von mal zu mal entstand ein fertiges Fachwerk. Die Linienf├╝hrung ist feinstens ausgef├╝hrt und die Farbauswahl k├Ânnte besser und treffender nicht eingeinkt werden. Man mu├č sich also das Feingef├╝hl und den Einfallsreichtum der einzelnen T├Ątowierer vorstellen.

Erstens zeigt es, wie gut sie sich unter einander kennen und vor allem sch├Ątzen, wie perfekt sie in die K├Âpfe des Kollegen blicken k├Ânnen und au├čerdem wird hier gezeigt da├č das zusammengef├╝gt wird, was zusammen geh├Ârt. Hier steht der Respekt zu seinen befreundeten T├Ątowiererkollegen an erster Stelle. An Konkurrenz wird da nicht gedacht ┬ľ eher an eine ┬äVerbundliga┬ô.

Ich staune immer wieder, wie herrlich und hochwertig freih├Ąndig und ohne jede Vorlage gestochen werden kann... wenn┬┤s denn eben wie hier von Profihand ist.

Den Totenkopf am Unterarm des DJ┬┤s signierte Bernie Luther mit seiner Tattoogun. Noch nie sah ich eine so kleine und vor allem leserliche Widmung. Hut ab, Alder. Dieses Tattoo war in 2 Stunden fertig gestellt. Das zeigt, da├č Bernie zum einen schnell und gleichzeitig pr├Ązise und sorgf├Ąltig arbeitet. Aber das wissen wir ja bereits von anderen Stories aus dem T├Ątowier Magazin z.B., wo schon ausf├╝hrlich ├╝ber seine Arbeiten berichtet wurde.

Die Jungs von Slipknot wuchsen mit T├Ątowierungen auf. Schon mit 15 oder 16 ging┬┤s aktiv los, und die K├Ârper zieren mittlerweile viele wirklich sch├Âne Motive.

Voller Stolz pr├Ąsentierten sie was die Haut hergab und eines k├Ânnen wir uns sicher sein ┬ľ die letzten T├Ątowierstiche sind noch nicht getan. Ich freue mich schon auf die n├Ąchste Sitzung, wenn mir die Jungs neues Frischfleich liefern.

Die Jungs raten jedem vorher zu ├╝berlegen, ob er/sie sich stechen lassen wollen, denn eine T├Ątowierung soll ein Leben lang Freude machen. Ebenso soll man Wald- und Wiesenk├╝nstler meiden, da sie oft unsauber und unprofessionell arbeiten.

Dem schlie├če ich mich an.

C ya in hell



Nachtrag:

M├Ąchtig Resonanz bei uns gab es leider nach dem schrecklichen Erfurter Massaker, als Slipknot heftig in die Kritik gerieten...



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