Section: Tattoos 1566Autor: Sista S.
Datum: 13.05.2002
Bereich: Tattoos















Köln Messe, Dorint Hotel

Medication

Sonntag mittag, str√∂mender Regen... Zu meinem gro√üen Erstaunen sprang der Wagen sofort an, die 70 km konnten also abgerissen werden. Das nicht alles glatt laufen kann ist aber sonnenklar - das Aufnahmeger√§t streikte. Aber zum Gl√ľck sind wir ja ge√ľbt und flexibel - und schrieben
stenotechnisch alles mit. So wie es immer ist war auch dieses mal die Interviewzeit viel zu kurz. Aber ich konnte ihm (Grandmastergitarreroflash Logan Mader) doch das ein und andere Geheimnis entlocken. So sa√ü ich, pudelna√ü vom garstigen Wetter, fragend vor meinem Gegen√ľber... es konnte los gehen...

Bandkurzinfo:
"zur Musik"

Bandmitglieder sind Logan Mader, Whitfield Crane (beide aus
Kalifornien), Roy Mayorga, Kyle Sanders aus Atlanta und B-Blunt aus New York. Die 5-Track EP erschien am 11.03.2002, das anstehende Album namens "Prince Valium" (Anm. von Susanne "wohl Spaceballs Fan, he?") erst am 24.06.2002. Der 3tte Song dieser EP ist als Single zu erwarten. Das Label ist Locomotive Music aus dem sonnenverwöhnten Spanien. Logan
war Machine Head Gitarrist und verließ im Januar 1999 die Band Soulfly, um selbständig etwas eigenes zu kreieren. Das er das kann liegt hier klar auf dem Teller. Im hauseigenen Studio nahm er Songs auf und bat Whitfield Crane (ex-Ugly Kid Joe und Life Of Agony) um sangestechnische
Unterst√ľtzung. Das dritte Gr√ľndungsmitglied ist Gitarrist B-Blunt (ex Adayinyourlife). Diese drei Recken sind auch f√ľr¬īs Songwriting zust√§ndig. Kurzfristig lieh Robert Trujillo (Ex Suicidal Tendencies, Ozzy Osbourne) der Truppe seine Ba√ükunst, da ihn die Musik einfach umhaute. Brooks Wackermann (Suicidal Tendencies und Bad Religion) half
an den Drums aus - bis Roy Mayorga einstieg. Er drumt ein fettes Paket und scheint dort genau richtig besetzt zu sein. Den 4string zupft nun Kyle Sanders. In den USA gab es schon Gigs - jetzt werden auch in Europa die goldenen Glocken geläutet. Der Papst setzt zum Gebet an - und ich
h√∂re MEDICATION. Du auch, gib¬īs zu!!!


Interview:
"Tattoo Drumunddran"

S: Logan, es ist nicht zu √ľbersehen, da√ü Du der Tattoo Szene
angehörst...
L: -l√§chelt- You are damn right. Ich mache schon eine Weile Musik, und irgendwann kommt man automatisch mit der Szene in Ber√ľhrung. Wann war es bei mir? Ich sch√§tze, ich war ca. 17 Jahre alt - da sah ich in einem Tattoo Studio einen Totenkopf, der mir sehr gefiel. Aber da ich noch nicht 18 war, mu√üte ich mich noch gedulden. Bevor man vollj√§hrig ist,
ist in den USA da nichts zu machen.

S: Aber Auto fahren könnt ihr ==;-)
L: Stimmt. Dar√ľber sollte man wirklich mal nachdenken. Bei euch kann man sich fr√ľher stechen lassen, wenn die Eltern unterschreiben und somit ihr o.k. dazu geben. Bei uns gibt¬īs da keine Chance. Man mu√ü warten. Dann bleibt noch zu kl√§ren, ob die Leute mit 18 wirklich erwachsen sind. Aber
das ist ein anderes Thema...

S: Dann gehe ich richtig in der Annahme, daß Du mit 18 Jahren die ersten Tats hattest?!
L: Aber ja. Ich konnte auch gar nicht genug bekommen. F√ľr mich war von Anfang an klar nicht mit kleckernden T√§towierungen umzugehen, sondern ein gro√ües, gut sichtbares K√∂rperwerk zu besitzen.

S: Ich schnappte j√ľngst auf, da√ü du Tattooguns entwirfst.
L: -grinst- Oh Gott ja, das war Anfang 1990. Ich war 19 Jahre alt und arbeitete als Engineer f√ľr diverse Maschinen und √ľberlegte mir, mal was anderes zu machen. Ich baute also dann Tattoomaschinen auseinander, setzte sie zusammen und plante bis ins Detail, wie man sch√∂ne Guns entwerfen k√∂nnte. Und das wurde dann in die Tat umgesetzt. So entstanden exklusiv handgemachte Maschinen, die weltweit auf Conventions verkauft wurden.

S: Du hast sie selber verkauft?
L: Nat√ľrlich. Es ist doch besser den Hersteller dort hinzusetzen, da er sein BABY kennt. Ich mu√üte das einfach selber in die Hand nehmen - da es erstens glaubhafter ist - und zweitens bekam ich einige T√§towierungen dadurch umsonst. Ich verdiente damit so viel Dollars, da√ü ich mir locker auch meine anderen Tats leisten konnte. Das war schon ne sch√∂ne und vor allem interessante Zeit.

S: Wieder zu deinem Körperschmuck. Wie viele Tätowierungen hast Du auf deinem Körper?
L: Eine... -grinst unverschämt breit-

S: Ich verstehe... ein Körperwerk quasi...
L: Ganz genau. Insgesamt besteht das Tattoo nat√ľrlich aus vielen einzelnen St√ľcken, die in vielen Sitzungen piece by piece zusammen kamen, aber sie sollen als Gesamteinheit gesehen werden.

S: Hast du sie denn alle selber entworfen?
L: Teilweise, eigentlich die meisten. Ich lieferte die Grundidee und habe Zeichnungen angefertigt, wie das genau auszusehen hat. Ich bin kein perfekter Zeichner - sie wurden dann vom entsprechenden Artist nachgezeichnet und schließlich auf mir verewigt.

S: Brauchst du eine bestimmt Art von Stimmung um in ein Studio zu gehen und dich inken zu lassen?
L: Nicht wirklich. Wenn ich meine Arbeiten alle erledigt habe kann ich total entspannt ins Studio gehen - egal wie lange die Sitzung dauert. Ich genieße das ganze sehr.

S: ...die Atmosphäre im Studio?
L: Das ganze drumherum. Ich mag das Ger√§usch der Maschine, ich mag das Gef√ľhl, das etwas auf mir geschieht - ich genie√üe es einfach.

S: Das kann ich verstehen. Ich kann davon ausgehen, daß du noch nicht fertig bearbeitet bist?!
L: -nickt nur-

S: Du hast das Machine Head Logo auf dem Hals. Was denkst du, wenn du morgens ins Badezimmer gehst?
L: Ich √ľbersehe das eigentlich - zumindest denke ich nicht st√§ndig daran. Und wenn doch, dann kann ich es mit guten lehrreichen Zeiten in Verbindung bringen. Es war ein Lebensabschnitt f√ľr mich, den ich nicht bereue. Zu Adam Duce, dem Basser, habe ich noch immer netten Kontakt.
Wir sind Freunde.

S: Wie viele Artists haben an dir gearbeitet?
L: Insgesamt 18. Ich weiß nicht ob Clay Decker dir etwas sagt?

S: Was f√ľr eine Frage...
L: Nun ja. Es waren eben Leute zwischen Kalifornien und Japan dabei. Sehr interessant, denn jeder hat seinen eigenen Stil, und alles paßt doch gut zusammen, oder was sagst du?

S: Darauf kannst du wetten. Wirklich tolle Arbeiten. Wie erklärst du dir eigentlich, daß so viele Musiker, gerade aus der New Metal Szene, stark tätowiert sind?
L: Gute Frage. They got the freedom to express themselves. Sie dr√ľcken einfach aus, was sie denken, f√ľhlen und empfinden. Ich finde es v√∂llig in Ordnung. Sie tun einfach, wozu sie Lust haben. Mit Musik kann man viel Geld verdienen - wenn man gut ist, und sich somit T√§towierungen
leisten. Diese sind √ľbrigens bei uns sehr teuer. Au√üerdem sieht es sehr gut aus, wenn gute K√ľnstler bei der Sache waren. Und davon gibt es schlie√ülich doch einige.

S: Es sind aber leider auch viele Wald- und Wiesentätowierer am Ball.
L: Stimmt. Aber wer sich dort stechen l√§√üt ist es selber schuld. Man kann sich heutzutage ausreichend √ľber seinen lokalen K√ľnstler informieren. Man kann seine Arbeiten anschauen, man kann im Internet Bilder sehen, man kann in Fachzeitschriften Rat erhalten und andere bereits geinkte Leute ansprechen. Wer zu einem Scharlatan geht ist es
selber schuld.

S: Das ist also dein Ratschlag f√ľr "Anf√§nger"?
L: Sicher. Man soll auch nicht kleckern - sondern richtige Tätowierungen machen. Ich bin ein Freund von bunten Großflächen auf der Haut. Go big or go home...

S: Hast du schon einmal dar√ľber nachgedacht, selber tattooaktiv zu werden?
L: I am a guitar player... -lacht zufrieden-

S: Es gibt verschiedene Arten von Tötowierungen - die modischen von heute und die kulturellen wie die Maori z.B. Wie siehst du die Entwicklung im Laufe der Jahre?
L: Das ist schwer zu beantworten. T√§towierungen gibt es schon seit Urzeiten. Die Maori hast du schon erw√§hnt - ein sehr interessantes Thema der Gesichtst√§towierungen. Dann gibt es die traditionellen chinesischen Motive - indianische, das keltische Tribal und noch so vieles mehr. √úber dieses Thema gibt es aber fette B√ľcher und anderes Infomaterial. Wer kennt die wirkliche Geschichte der T√§towierungen? Im Laufe der Zeit kamen eben viele Dinge zusammen, ob nun Tradition oder Mode. Tradition
kann √ľbrigens auch Mode sein...

S: Stimmt. Ich glaube, diese Frage bleibt f√ľr immer unbeantwortet.
L: Das denke ich auch.

S: Ich glaube, ich habe jetzt so ziemlich alles erfragt. Habt ihr ne Website?
L: Wird demnächst frei geschaltet. Check out http://www.medicationmusic.com

S: Ich danke dir f√ľr das nette Gespr√§ch. Letztes Statement?!
L: Nothing¬īs permanet...


Demn√§chst mehr √ľber Logan¬īs T√§towierer. Er versprach mir ein paar mehr Infos zukommen zu lassen. Warten wir¬īs ab. In diesem Sinne. Seid sch√∂n brav bei der Tattoonadel.

Eure Susanne



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