Section: Konzertberichte 29613Autor: Amir
Datum: 19.03.2015
Bereich: Konzertberichte


Was kommt nach SLAYER?

Bastard Club in Osnabrück - 17.03.2015

PHILM

Immerhin rund 60 Leute hatten sich im Bastard Club in Osnabrück eingefunden, um das einzige Konzert von PHILM im Westen der Republik zu sehen. Bereits vor dem Auftritt bestätigt sich bei einem Blick durch die Reihen mein Eindruck aus den vorhergehenden beiden Touren: gerade mal zwei Besucher führen ein SLAYER-TShirt spazieren. Dieses Kapitel ist also nicht nur für Dave Lombardo mehr und mehr ein Stück Vergangenheit.

 

Pünktlich um 21.15h verunsichert zunächst Gerry Nestler die Leute, ob die Wails aus seiner Gitarre nochmal ein kurzer Soundcheck oder bereits das Intro für das Set darstellen. Als kurz darauf jedoch Pancho Tomaselli den Bass aufnimmt, wird langsam klar, dass es jetzt ernst wird. Noch ein bisschen Gefudel auf dem Tieftöner und dann nimmt auch Herr Lombardo die Klöppel in die Hand. Für einige Augenblicke gibt es ein Geprassel auf dem Cymbals und dann einen Doppelschlag auf die Tomms (auf die Millisekunde synchron mit einem Bassakkord) und mir fliegt in der ersten Reihe der Kalk aus der Kutte. Was dann für knapp 90 Minuten aus den Boxen kommt, kann ich mangels einer vorhandenen Setlist nicht mehr nachvollziehen. Es macht auch keinen Sinn, diese brachialen Kollagen als einzelne Songs zu qualifizieren. Ich glaube, die Songtitel existieren nur, damit im Tonstudio jedem Bandmitglied klar war, an welchem Soundteppich man aktuell  gerade werkelt. Jazz ist nachvollziehbare Kindermucke dagegen und wer ist eigentlich dieser Prog?

 

Selbst das letzte GRIP INC.-Album und das Gesamtwerk von Lombardos Vorgängerband FANTOMAS sind bei Weitem strukturierter als dieses Gebräu aus drei Instrumenten und Gerry Nestlers animalisch-psychopathischem Gesang. Aber das soll andererseits nicht heißen, dass die Musik live nicht unterhaltsam wäre. Allein vom Zuschauen, mit welchen Bewegungen die Musik aus den Saiten und den Skins gedrechselt wird, könnte man schwindelig werden. Headbanging-Potenzial fehlt dem Material nahezu völlig, aber Tightness und Aggressivität sind im fast schon erschreckenden Überfluss vorhanden.

 

Schnalli, einer der Veranstalter im Bastard Club, hatte sich am Nachmittag von der Band die Erlaubnis geholt, den Gig auf einem analogen Tonbandgerät aufzuzeichnen. Man kann nur inständig hoffen, dass diese Aufnahme irgendwann zum Reality-Check von den Jungs veröffentlicht wird. Denn mit Worten kommt man – „wie gesagt“ – hier nicht weit.

(Bericht und Fotos von Dirk Limberg)



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