Section: Interviews 31657Autor: Diggi
Datum: 03.03.2016
Bereich: Interviews

Aztekenlehre versus Black Metal aus Norwegen

PSILOCYBE LARVAE

Vitaly, Sänger und Gitarrist ist die treibende Kraft hinter der Ausnahmeband PSILOCYBE LARVAE. Bei uns habt Ihr hoffentlich die Reviews zu allen bisher erschienenen Alben gelesen.  Nun stand noch das Interview mit dem Visionär aus, der sich als sehr netter Bandchef entpuppte.

Vitaly, „The Labyrinth OF Penumbra“ hat nun auch schon 4 Jahre auf dem Buckel. Arbeitest Du an neuem Material zur Zeit und wenn dem so ist, kannst Du uns eine Selbsteinschätzung obgleich der musikalischen Ausrichtung geben?

 

„Aber natürlich arbeiten wir an neuen Songs. Ich denke zur Zeit sind es so 4-5 Stücke die es auf ein neues Album schaffen könnten. Ich hatte viel mehr Material, aber mit der Zeit stellte ich fest, das sich das alles zu sehr nach „…Penumbra“ Stoff anhört. Also habe ich alles wieder in die Tonne getreten. Andere Ideen entwickelten sich in eine völlig falsche Richtung. Dazu kamen gravierende Line-Up Veränderungen. Im Grunde habe ich mich von allen vergangenen Musiker verabschiedet die bei PSILOCYBE LARVAE zuletzt gespielt haben. Das war nicht der günstigste Zeitpunkt gemeinsam an neuen Songs zu arbeiten. Irgendwie hat sich dann alles von alleine erledigt. Nun haben wir unseren Original Drummer und einen neuen Bassisten und Gitarristen. Der Keyboarder hat sich mittlerweile auch in den kreativen Prozess mit eingebracht, was will man also mehr?“

 

Was verbirgt sich hinter dem kryptischen Titel des letzten Albums?

„Der Titel wurde vom Codex Borgia inspiriert, rituellen Bildhandschriften aus der Aztekenzeit. Im speziellen geht es um eine Opferszene.  Ich habe hier mit verschiedenen Quellen gespielt und sie bewusst vermischt. Man findet auch Motive aus den Büchern von Carlos Castaneda wieder. „The Labyrinth Of Penumbra“ ist eine Welt, gespeist aus den Phobien, Schmerzen und dem Leid der Menschheit. Man könnte auch sagen, es handelt sich um das große Labyrinth „Unterbewusstsein“.  Nur im Traum kannst Du durch dieses Labyrinth gehen und versuchen den Code zu knacken, um Seele und Geist zu befreien. Sozusagen eine philosophische Metapher, der Weg der zur Erleuchtung führt, zur Shambhala.“

Ich habe alle Alben der Band in der Retrospektive hier bei uns vorgestellt und habe einen kreativen Knackpunkt ausgemacht - namentlich „Non-Existence“ - sowohl musikalisch wie auch optisch. Wie stehst Du zu meiner These?

 

„Ich stimme Dir zu! Ich denke ähnlich über das Album. Es teilt die Geschichte der Band in 2 Teile auf. Der erste Teil findet in unserer Heimatstadt Vyborg statt. Erste Gehversuche, wir suchten unseren Stil, während wir „Stigmata“ und „Agony“ aufgenommen haben. Dann gab es einen Knall innerhalb der Band, ein Teil von PSILOCYBE LARVAE ging nach St.Petersburg. Das war eine schwierige Zeit und hätte auch der Sargnagel für die Band sein können, aber genau das Gegenteil trat ein. Hier treten wir mit neuen Bandmitgliedern und frischen Ideen in die zweite Phase ein, die wie bereits erwähnt mit „Non-Existence“ begann und zur Zeit mit „The Labyrinth..“ geendet ist.

 

Vitaly, gehen wir doch mal zurück den Anfängen der Band, wo Ihr hörbar vom nordischen Black Metal beeinflusst wurdet. Trotzdem fanden bereits zu diesem Zeitpunkt zaghafte Versuche statt, stilistisch auszubrechen. War das von Anfang an ein gesetztes Ziel?

„ Ja, ich denke schon. Aber damals habe ich das nicht analysiert und tue das auch jetzt rückblickend nicht. Wie gesagt, das war die Findungsphase. Unsere Musik, unser Stil entwickelte sich, durchaus in verschiedene Richtungen. Alle Mitglieder haben zu dieser Zeit sehr unterschiedliche Musik gehört, das findet man bereits auf dem Debüt wieder.“

Ihr habt Euch nach einer Passage aus einem Tiamat Stück benannt,  (legt mal wieder die Wildhoney auf, es lohnt sich! d.Verf.) die offensichtlichen Tiamat Einflüsse traten aber erst auf dem letzten Langdreher zu Tage. Wenn Du ein Tiamat Fan bist, würde mich interessieren, wie wichtig für Dich persönlich und als Musiker die Post-Wildhoney Phase von Herrn Edlund ist oder war.

 

„Manche Alben sind echt gut, aber ehrlich gesagt ist das nicht mein Ding. Ich werde auch nicht mit PSILOCYBE LARVAE in diese Richtung tendieren. Obwohl….. Ich habe schon einige Goth Sachen in petto, die würde ich aber unter einem anderen Namen veröffentlichen.“

 

Gehen wir noch einmal in die Black Metal Phase zurück. Was hat Dich in dieser Zeit maßgeblich beeinflusst? Der radikale Anti Ansatz von Dark Throne, oder der radikal-progressive Ansatz von Emperor?

 

„ Definitiv Emperor! Sie sind immer noch meine Helden, was Black Metal aus Norwegen angeht. Vielleicht noch Satyricon, weil Sie es verstanden haben, finstere Energie mit erhabenen Melodien zu verbinden.“

 

Mit den letzten 2 Alben habt Ihr nicht nur musikalisch überzeugt, auch die Optik war wunderbar und sticht jederzeit aus dem plakativen Photoshop Einheitsbrei heraus. Magst Du dazu etwas erzählen?

 

„ Ja, wir sind auch sehr zufrieden mit den Artworks! Beide Arbeiten stammen von dem russischen Designer A-ra. Er hat mit ziemlich berühmten Alternative Bands hier bei uns in Russland zusammengearbeitet. Der Herr arbeitet sehr diszipliniert und gewissenhaft. Er hat unsere Vorgaben wirklich perfekt umgesetzt. Leider wird es zu einer weiteren Zusammenarbeit aus verschiedenen Gründen nicht mehr kommen.“

 

PSILOCYBE LARVAE könnten mit 2-3 weiteren Bands eine neue Welle des progressiven Dark/Doom/Gothic Metal lostreten, denn ehemalige Platzhirsche wie Opeth scheinen auf immer alten Glanztaten abgeschworen zu haben.

 

„ Danke für diese Einschätzung und die Wertschätzung unserer Musik. Es ist natürlich eine große Ehre mit einer Band wie Opeth verglichen zu werden, ich möchte mich aber nicht zu sehr mit anderen Bands vergleichen. Ich glaube daran, dass es sich irgendwann auszahlt, wenn man beharrlich sein Ding durchzieht.“



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