Section: Interviews 36637Autor: Diggi
Datum: 28.06.2017
Bereich: Interviews

Ein außergewöhnlicher Mensch....

WALPYRGUS

Was hat für euch 2012 den Ausschlag gegeben, diese Band zu gründen, in der Ihr euren musikalischen Einflüssen huldigt?

Scott: „Wir haben diese Band hauptsächlich gegründet, weil wir ein Haufen Freunde aus der gleichen Stadt sind. Wir wussten das, wenn wir gemeinsam eine Band gründen, etwas richtig gutes daraus entstehen könnte.  Jim Hunter, Jonny Aune und ich kommen von Twisted Tower Dire, Peter Lemieux ist einer der kreativsten Schlagzeuger und ein guter Freund von Jonny. Dasselbe gilt für Charley Schackelford und mich. Wir kennen uns durch die Metal Szene schon viele Jahre. Ich wollte ihn unbedingt für diese Band, besonders aufgrund seines einzigartigen Solo Stils, das klingt irgendwie wie eine Melange aus Wylde, Schenker, Demartini und Van Halen.. Also alles Sachen die ich nicht kann! Hahaha…Wir kamen zusammen und nahmen uns zunächst ‚The Dead Of Night‘ und We Are Wolves‘ vor, für die ich bereits Demo Versionen erstellt hatte. Dazu nahmen wir als Coverversionen ‚Light Of A Torch‘ von Witchcross und ‚Doomed By The Living Dead‘  von Mercyful Fate. Wir liegen alle grob auf der selben Wellenlinie, aber für mich als Songwriter muss ich Maiden, UFO, Lizzy, Scorpions, Sabbath, alte Slayer, Ramones, Misfits, Dead Kennedys, Sex Pistols, Willie Nelson & Bob Marley nennen, wenn es um Einflüsse geht nennen. Diese Sessions lebten von gegenseitigem Respekt und einer magischen Grundstimmung.“

2014 habt Ihr dann die EP, auch im Tape Format mit 4 Stücken veröffentlicht. Keines davon findet sich auf dem Debüt wieder. Nun hat jeder Musiker ein anderes Verhältnis zur Verwendung von Demo Stücken für Alben..Wie siehst Du das?

Scott: „Ich bin ein sehr schneller und fokussierter Schreiber. Wenn ich könnte würde ich den ganzen Tag Zeugs zu Papier bringen. Mit den Demo Stücken waren wir alle der Meinung, dass Sie für den Status eines Demo gut genug produziert und eingespielt waren, also sahen wir keine Notwendigkeit, das Material noch einmal in irgendeiner Form zu verwenden. Für das Album wollten wir komplett neue Songs, übrigens haben wir diese neuen Stücke auch bestimmt dreimal in Demoversionen aufgenommen. Selbst von der Demo EP gibt es „Demos! Peter hatte zu dieser Zeit ein Studio bei sich im Keller, so konnten wir immer wieder am Material arbeiten. Ich arbeitete  bei mir auch Demos aus, die ich dann den anderen präsentierte. Die Stücke für das Album sind also verdammt gut gereift, sozusagen.“

Das Stück ‚Dead Girls‘ klingt wie der punkige Mittelfinger auf „Walpyrgus Nights“ und unterscheidet sich schon ein wenig vom restlichen Material….

Scott: „ Ich würd den Song nicht als Mittelfinger sehen, in keine Richtung… Ich liebe meine Metal Brüder und Schwestern…Ich möchte auch keinen Metalhead ans Bein pinkeln,der keinen Punk mag. Viel mehr hat es wohl damit zu tun, das ich für eine lange Zeit meine Punk Wurzeln verdrängt habe. Das lag aber in erster Linie an Bands wie Green Day oder Blink 182, in den 90er Jahren. Ich wollte mich davon distanzieren, als Twen. Ich wuchs in Washington DC auf, wo Fugazi oder die Bad Brains fast religiös verehrt wurden. Meine Schwester und ich waren seit 1981 mit den Ramones musikalisch zu Hause unterwegs. In den späten 80er Jahren war ich zwischen einer Punk,Skater und Metal Szene hin und hergerissen, ein schwerer Skate Unfall ließ mich dann aber immer mehr in Richtung Metal gehen. Mein Elbogen besteht seitdem mehr aus Metall als aus Knochen, danach widmete ich mich dem Gitarre spielen, AC/DC, Ozzy, all das lernte ich zu spielen. Ich stellte schnell fest das man eben länger für einen Maiden Song als für eine Misfits Stück braucht. Hahahaha…Irgendwann stellte ich fest , dass es beim Punk um Song Strukturen geht, beim Metal um das Riff. Wenn ich jetzt so ein Stück schreibe, dann gehört das einfach zu mir. Ich will damit niemanden ärgern. Wenn man sich meine Social Media Profile ansieht wird man feststellen, dass ich unheimlich viele unterschiedliche Dinge liebe. Sei es Langstreckenlauf, Ehrenamtliche Dinge, Die Natur an sich, ich bin ein Veganer und ja ich surfe und skate in meinen 40ern. Würde ich jetzt einen Manowar Song schreiben wollen, dann wäre das nicht echt, das bin ich nicht. Darum geht es: Sei Du selbst! Überhaupt, dieser Begriff True Metal, ich meine das muss nicht immer bedeuten, das sich alles um Maiden und Priest dreht. Ich habe Axes&Honour mit Twisted Tower Dire geschrieben, das ist sicherlich ein True Metal Song, weil ich zu diesem Zeitpunkt mich genau so musikalisch ausdrücken wollte. Genau so sollte man aber auch seine Vergangenheit nicht auslöschen, bei mir waren das auch blond gefärbte Haare und halb rasierter Schädel, dazu ein Zimmer voll mit Sex Pistols und Skater Postern.“

Die Musik von WALPYRGUS steht für eine alte Schule Attitüde, allerdings in einem zeitgemäßen Umfeld, wolltet Ihr so etwas in der Art erreichen?

Scott: „Zunächst einmal Danke! Da wollte wir schon landen, allerdings ohne das jetzt krampfhaft erzwingen zu wollen. Wir lieben alle den alten Exodus, Misfits, Slayer Sound usw.. Das sind unsere Wurzeln, wir müssen nicht nach alten Inspirationen im Netz suchen. Jonny und Peter hören zwar auch Sachen, die da jetzt nicht so rein passen wie The Darkness oder Edguy, aber am Ende geht das immer in die richtige Richtung. Es muss am Ende authentisch klingen.  Peter wuchs mit Metal auf, denn sein Vater spielte in einer der besten Black Sabbath Cover Bands die es jemals gab. Niemand hatte den Iommi Stil so drauf wie sein alter Herr. Beide, Peter und Jonny haben schon immer irgendwie zusammen Musik gemacht und ich kann nicht verstehen, warum Sie überhaupt mit mir abhängen…Hahahahaha.. Trotzdem bin ich der Haupt Songwriter bei WALPYRGUS, ich glaube das liegt daran, das ich schon immer mi Musik umgeben war. Wir hatten eine Gitarre und ein Piano zu Hause, meine Oma spielte Orgel und mein Bruder hörte Bob Dylan, Pink Floyd, The Who, Simon & Garfunkel usw. Ich liebte es ihm beim Gitarre spielen zuzusehen. Meine Schwester und Meine Mutter wollten mich zum Reiten bringen, mein Vater zum Golf, aber Gitarre war meine echte Passion. Mein Bruder war ein Zauberer für mich, wenn Er Deep Purple Sachen zockte. Meine Schwester war mehr bei den Ramones, U2, The Cure, oder REM, bevor Sie zu Millionensellern wurden zu Hause. Das andere entscheidende für meine Musik Sozialisation waren meine Cousins die ihm Hardcore Punk unterwegs waren. Bad Brains, Cro Mags, auf der anderen Seite der krasse Metal dieser Zeit: Dark Angel, Voivod, Slayer. Kurz danach hatte ich eine echt schwere Zeit, meine leibliche Mutter war nicht wirkich für mich da, meine Stiefmutter verstarb und ich rutschte in einen Drogensumpf aus Pot, LSD und PCP ab. All diese Dinge führten dazu das ich eine enorm starke Verbindung zu den eher älteren Sachen habe. Ich höre sicherlich auch neues Zeugs, finde davon auch einiges gut, aber am Ende lande ich immer bei meinen Klassikern.“    

Der Titelsong erinnert mich – jedenfalls was den Anfang betrifft – ziemlich an Psychotic Waltz an ihre dunklen Momente. Generell schwingt bei  fast allen eurer Stücke eine unterschwellig sinistre Note mit. Trotzdem funktionieren alle Songs auch auf Sommer Festivals…Ziemlich ambivalent, oder?

Scott: „ Tom und Jim sind große Psychotic Waltz Fans, ich habe nie einen Zugang zu ihrer Musik gefunden. Als ich die Musik geschrieben habe, wollte ich eine okkulte Geister Geschichte erschaffen, allerdings wollte ich das nicht im konventionellen Metal Kontext rüber bringen. Auch hier geht vieles wieder zurück in meine Kindheit, da ist meine Schwester die stundenlang ‚Beatuy And The Beat‘ singt, stundenlange Autofahrten mit meinem Vater, wo dann Neil Diamond lief. ‚Hair‘ oder ‚The Sound Of Music‘ lief sehr oft zu Hause, ich saß auf dem Teppich und war mit Lego bschäftigt….Es ist wohl so als würde Ozzy Osbourne auf Bing Crosby treffen. Licht und Dunkelheit. Ich liebe den Sommer, um auf die Sommer Festivals zurück zukommen, das lange draussen sein, bin aber aber auch von all den gruseligen Dingen des Lebens fasziniert.“

Ihr hattet die Eier echt geile Chöre auf das Album zu packen, ohne das das ganze cheesy und peinlich klingt, so wie es sich auf fast allen 08/15 Power Metal Alben anhört, die in Endlosschleife produziert werden….

Scott: „Danke! Das ist komisch, Tom wollte dass wir mit den ganzen Blind Guardian Vocals aufhören sollten. Ich glaube das wir da erste Berührungspunkte mit Piet Sielk (Iron Saviour) hatten, als wir gemeinsam mit Twisted Tower Dire ein Album aufgenommen haben. Wir können alle in der Band einigermaßen singen, also wäre es quatsch gewesen das nicht zu versuchen. Wir haben hunderte verschieden Varianten aufgenommen und ich hatte immer das Gefühl das die wenigsten auch übernommen wurden, tatsächlich finden sich aber fast alle Aufnahmen auf dem Album wieder. Das war eine echte Bandleistung.“  

Ihr solltet mit Naevus und Metal Inquisitor auf Tour gehen, ihr würdet das ganze musikalisch perfekt ergänzen! Im Ernst: Habt Ihr vor „rüber zu machen“?

Scott: Ich kenne beide Bands. Das sind zum Teil Brieffreundschaften aus den 90er Jahren, als ich Twisted Tower Dire gestartet habe. ‚Streams‘ ist so ein wunderbarer Song von Naevus ( vom 96er Autumn Sun Demo, der Mann hat Kenne! D.Verf.). Sie sind sträflich unterbewertet! Beide Bands sind großartig und wirklich tolle Menschen! Bisher haben wir keine Europa Tour Pläne, wenn das richtige Angebot kommt und wir uns das alle auch leisten können sind wir da! Danke für das Interview! Besucht uns auf www.walpyrgus.com und kauft Merch! Ich möchte hier auch noch einmal privat werden: Ich bin ehrenamtlich in der Drogenhilfe unterwegs, die Organisation nennt sich The Herren Project und diesen August werde ich an einem 100 Meilen Lauf teilnehmen (The Leadville Trail 100) um Spenden zu sammeln. Ihr könnt meine ganz persönliche Geschiche auf ultrarunvegan.com lesen. Man kann sich selbst davor retten, vor die Hunde zu gehen! Als ich bemerkte, das ich mein Trinken vor Freunden und der Familie geheim hielt, war für mich die Zeit reif, die Dinge zu ändern. Jeder der möchte, kann sich mit mir in Verbindung setzen, es hilft , seine eigene Geschichte erzählen zu können! Ihr findet mich bei Twitter, Facebook, Instagram unter @ultrarunvergan….. Vielen Dank für das Interview, das ich hier ein wenig von WALPYRGUS und mir  erzählen durfte!



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