Section: Reviews 37965Autor: Diggi
Datum: 01.11.2017
Bereich: Reviews

Die Portugiesen auf den Spuren der großen Klassiker....

1755

MOONSPELL

HORNELLA!

Ich behaupte mal ganz nassforsch, das statistisch gesehen 1,8 von 3 Metal Fans die in den 90er Jahren ihre musikalische Sozialisation hatten wahrscheinlich "Wolfheart", mit Sicherheit aber "Irreligious" im Schrank stehen haben, oder gleich beide Alben. Und hier nutze ich mal die Gelegenheit den Portugiesen zur Seite zu eilen, denn ganz besonders die Alben danach, das Wave-rockige "Sin/Pecado" und eines der avantgardistischsten Alben der 90er, "The Butterfly Effect" sind grund ehrliche Kreativität und absolut zeitlos. MOONSPELL taten es ihren Vorbildern Celtic Frost und Type O Negative gleich und kümmerten sich einen Scheiss um kommerzielle Erwartungshaltungen. Auch danach konnte man mit dem Hochglanz Vampir Epos "Darkness And Hope" und dem Edel Grusel Album "The Antidote" immer wieder neue Facetten der Band entdecken. Ein Fundus an dunkler Kunst! Spätestens mit dem Überalbum "Memorial" waren MOONSPELL nach dem kleinen Karriereknick Ende der 90er Jahre wieder ganz oben in der Dark/Gothic Metal Szene.

Nun steht mit "1755" das erste Album komplett in der Muttersprache der Band intoniert an und das klingt so wie es klingt einfach traumhaft. Romanische Sprachen klingen im Metalkontext immer wunderbar, ähnlich wie Nordgermanische oder slawisch/russische Sprachen. Ungewöhnlich, oder wieder einmal völlig anders ist der diesmal sehr "wagneranische" Ansatz an die Stücke, so ist der Opener 'Em Nome Do Medo' ein dramatisches Interludium, völlig frei von konventionellen Songstrukturen, hier regiert orchestraler Bombast und der mahnende Rezitativ von Sänger Fernando. Richtig dick aufgetragen wirkt dann '1755', man fühlt sich fast an Bands wie Epica erinnert, die Orchestrierung ist definitiv ähnlich. 'In Tremor Dei' nimmt die dramatischen Chorpassagen wieder auf, wirkt im ganzen dann aber wieder mehr wie bekannter MOONSPELL Stoff.

"1755" ist ein Album welches sich an die großen Epen und Dramen des klassischen Hollywood Kinos der 40er, 50er und 60er Jahre orientiert.  Man fühlt sich an den ein oder anderen "Schwerter und Sandalen" Film mit Kirk Douglas, Peter Ustinov, Charlton Heston oder der wunderbaren Elizabeth Taylor erinnert. Das große Erdbeben, welches am 01.11.1755 die ganze Stadt Lissabon vernichtete wird hier jedenfalls musikalisch ebenbürtig groß skizziert und erhält einen würdigen musikalischen Rahmen.'Desastre' ist in seiner lauernden Grundhaltung ein echtes erstes Hochlicht, gefolgt von dem flotten 'Abanao'. Das Album arbeitet dem traurigen Höhepunkt entgegen und hat hier nun deutlich an Härte zugelegt, 'Evento' startet schnell und wird von typischer Metal Riff Urgewalt flankiert. Das orchestrale Moment findet sich dann in dem erhabenen '1 De Novembro' wieder. Das düstere 'Ruinas' ist ebenfalls an Amtosphäre schwer zu übertreffen

'Todos Os Santos' und 'Lanterna Dos Afogados' beschließen in bedrückender Manier ein echtes Mammutwerk. Interessant ist das "1755" mit starkem symphonischen Überhang startet, im weitere Verlauf sich dem Bombast und der Epik immer mal wieder entledigt. MOONSPELL haben hier sicherlich großes Kino vertont, stellt sich nur die Frage nach der Umsetzung auf der Bühne und wie die Fans diese völlig neue Seite ihrer Helden goutieren werden. Hin und wieder fehlt trotz der wie immer sehr wuchtig modernen Produktion von Tue Madsen das harte Dark Metal Element, wo einfach auch mal ordentlich abgebangt werden kann. MOONSPELL bleiben sich als kreatives Chamäleon treu, auch das ist heuer viel Wert.

7 Points. Erscheint am 03.11.2017 via Napalm Records.



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