Section: Interviews 38846Autor: Diggi
Datum: 20.01.2018
Bereich: Interviews

Gitarristin aus NRW erobert die Welt und den Rest dazu!

InZENity

JEN MAJURA

Foto von Tom Row/FrontRow Images.

Wo und wobei  erwischen wir Dich gerade? Die Frage ist ja berechtigt, so als Cosmopolitin ;)

Ich sitze tatsächlich zu hause in Nordrhein-Westfalen auf meiner Couch, schaue entspannt eine KoRn live DVD, nachdem ich den heutigen Unterrichtstag an meiner Musikschule aufgrund von akuter Orkan- und Unwetterwarnung hier im Kreis absagen musste. Auf der Rückfahrt von der Schule habe ich zahlreiche umgekippte Lastwagen, ausgewurzelte Bäumen, die Straßen blockierten und durch die Gegend fliegende Dachlatten gesehen.
Den gesamten Januar haben wir ein Tourbreak mit Evanescence, da es erst Anfang Februar mit Australien und anschließend Russland und Europa bis Mitte April wieder weiter geht.

Wieviel „Zen“ steckt in Dir als Person und wieviel „Zen“ steckt in dem aktuellen Album?


Schaut man auf Wikipedia mal den Begriff „Zen“ nach wird man von einer ellenlangen Abhandlung erschlagen. Ich bin buddhistisch erzogen worden, und die buddhistische Lehre war für mich immer eher Lebensphilosophie statt Religion. Das innere Zen hat so viele verschiedene Bedeutungen und für mich ist eine davon, den eigenen inneren Ausgleich finden zu können. Dies ist unter anderen machbar, indem man seine eigenen Gegensätze (das Ying Yang Prinzip) anerkennt, da in jedem von uns sowohl schwarz als auch weiß, laut wie auch leise und schnell sowie langsam steckt. Zen zielt immer auf die Erfahrung und das Handeln im gegenwärtigen Augenblick, und umfasst auf diese Weise Gefühl, Denken, Empfinden usw. Diese innere Gelassenheit im Jetzt durch den Ausgleich und die Anerkennung der Gegensätze findet sich sowohl im Artwork von InZENity wieder, als auch in der Songauswahl und sogar in der kompositorischen Arbeit und den Texten.
 

Wie breit bist Du eigentlich musikalisch aufgestellt? Es scheint als könntest Du dich in nahezu jedem Genre verwirklichen?


Das scheint wohl richtig. Ich bekomme immer gerne den Stempel „Metal head“ aufgedrückt, was auch völlig okay ist, aber das Interesse an Musik ist bei mir doch durch aus breiter aufgestellt. Ich höre privat fast nie Musik und wenn, dann nur von wenigen auserlesenen Bands und Künstlern. Ich stehe sowohl auf Death Metal, als auch auf Prog, 80er Hairmetal und 70er Glamrock, Nu Metal, Pop, Klassik, Jazz, Fusion, … die Liste ist beinahe endlos. Ich denke das einzige Genre mit dem ich nun wirklich gar nichts anfangen kann ist Schlager und deutsche Volksmusik! Da hört es bei mir auf, das ist zu viel 1 und 3 Geklatsche. Ich höre gerne anspruchsvolle Musik wie Freak Kitchen, Panzerballett, Dream Theater usw. Meine neueste Entdeckung ist die Supergroup Sons Of Apollo! OMG! Ich hatte Billy sofort eine SMS geschickt, da ich mich hals über Kopf in dieses Album verliebt habe.
Ich könnte mir auch gut vorstellen ein reines Instrumental Gitarren Album oder ein reines Unplugged Album als nächstes zu machen!? Monotonie ist Stillstand und das ist etwas, worin ich nicht gut bin ;) Ich erfinde mich immer wieder gern neu. Vielleicht wird es auch InZENity II geben und noch krassere Songs… wer weiß. Ich bin auch gespannt.
 

Hast Du eine Erklärung dafür, warum gerade die E Gitarre dich so gefangen genommen hat? Gab es für Dich einen konkreten Auslöser dafür?

Zuerst bekam ich Klavier Unterricht. Der Lehrer war 300 Jahre alt, trug eine dicke Hornbrille und hatte Mundgeruch. Ich hasste es. Kurze Zeit später wurde ich aus dem Unterricht geschmissen, da raus kam, dass ich alles nach Gehör statt nach Noten gespielt hatte. Irgendwann kam dann der Wunsch nach einer E-Gitarre auf. Meine aller erste Gitarre war ein quietsch pinkes Strat-Immitat einer deutschen alten Firma, die Mundharmonikas bauen… grausames Teil! Erst als ich älter war fand ich meine erste richtige Gitarre - eine Ibanez S470DX! Erste Gitarristen, die mich beeindruckten als Kind und Teenager waren Nuno Bettencourt, Richie Sambora und als ich Steve Mai entdeckte war der Ofen aus - alle waren im Freibad oder „in der Stadt“ - die kleine Jen saß an der Gitarre und war am Üben!

Inwieweit kannst Du Dich bei Evanescence einbringen?

Gerne wird gefragt ob ich nur „Hired Gun“ oder „Vollwertiges Bandmitglied“ bin - Zweites ist der Fall und ich bin mehr als stolz und glücklich darüber, dass Amy mich gefunden hat und mir all das ermöglicht, was ich nun seit gut zweieinhalb Jahren mit Evanescence auf der gesamten Welt erleben darf! Ich stell mir immer vor wie Leute sich fragen, ob da vertraglich festgelegt ist, wer in einer Band warum und wann wie viel Mitsprache Recht bei Entscheidungen und Songwriting hat - aber mal ganz ehrlich!? Es ist eine völlig menschliche Sache, sei es, dass ich Amy im Backstage frage, ob das Bühnenoutfit cool ist oder nicht oder sie mich fragt wie ich ihre Frisur für die Show finde… wir sind alle Menschen und Meinungen der anderen sind wichtig, damit wir nicht in unserem eigenen Kopf stagnieren. Manchmal macht man Vorschläge die konstruktiv sind, manchmal macht man Vorschläge, die nicht produktiv sind - wir sind alle Menschen und mit gegenseitigem Respekt und einer gesunden Zusammenarbeit kann man das Maximum für sich und andere heraus holen, denke ich.

Wie lange hast Du an den einzelnen Songs für das Solo Album gearbeitet und wie sieht deine bevorzugte Arbeitsweise aus? Lieber in Ruhe zu Hause oder auf Tour?

Ich hatte versucht auf Tour zu schreiben - ich bin darin so scheisse, dass ich das damals schnell aufgegeben habe. Ich brauche Inspiration und meist arbeitet mein kreatives Ich am besten, wenn ich in Ruhe zu hause bin. Allerdings kann man Kreativität ja auch nicht erzwingen und ich habe festgestellt, dass ich am besten schreibe, wenn ich mich über Dinge oder Personen aufrege ;) hahaha Auf Tour bin ich meist zu zerstreut und will raus, die Stadt sehen, Sport machen, Sightseeing oder auch ganz langweilig mal nichts tun - da fehlt mir die Ruhe zum Komponieren.

Gibt es Musiker, die keine Gitarristen sind und für Dich als Mensch unglaublich wichtig sind?


Ui, tolle Frage. Ich habe riesen Respekt vor Sängern / Sängerinnen mit einem unfassbaren Wiedererkennungswert wie z.B. Steven Tyler, Pink, Jonathan Davis, Bruno Mars oder Ed Sheeran. Ebenso schaue ich auf zu Bassisten wie Billy Sheehan und Drummern wie Steve Gadd, Dave Wreckl, Simon Phillips oder Mike Portnoy.

Hast du zu allen Gästen auf dem Album eine freundschaftliche Beziehung, oder waren das eher Jobs?


Mir ist es wichtig zu sagen, dass all die Gastbeiträge auf InZENity in erster Linie von Freunden stammen. Klar sind da u.a. legendäre Namen dabei, aber ich sehe es eher so: Ich bin schlicht und weg einfach gesegnet mit tollen Freunden, die zeitgleich auch noch atemberaubend großartige Musiker sind. Ich habe zu allen über die Jahre ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, Mattias ist nicht nur einer der innovativsten und grandiosesten Gitarristen der Jetzt-Zeit, sondern auch eine Art Guru und Lebensphilosoph für mich geworden und ist wohl derzeit der Musiker, der mich am meisten in meinem Denken und Spiel beeinflusst.
 

DANKE FÜR DIE ZEIT UND ALLES GUTE FÜR 2018!


Vielen lieben Dank und auch Dir alles Liebe und Gute für 2018, trage Sonne im Herzen :)))



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