Section: Interviews 39128Autor: Diggi
Datum: 16.02.2018
Bereich: Interviews

Echte Szene Charakterköpfe werden selten....

MESSIAH

1) Umgehen wir mal direkt das ganze Schema F Promo Getöse und gehen direkt in die Vollen! „Hymn To Abramelin“ hat immer noch die am meisten entfesselten, sich überschlagenden Vocals zu bieten.  Wie kam dieser Art des „Gesangs“ eigentlich zustande? Eher Zufall? War es auch Zufall, das so viel Hall auf den Gesang gepackt wurde, denn das ergibt anno 2018 ein Klangbild, welches mittlerweile unzählige Nachwuchs Kryptologen in zig Bands versuchen zu reanimieren….

Als wir drei der Urformation als Metal-Fans unterschiedlicher Stilrichtungen zusammen kamen, gab es keine Vorstellung wie wir klingen sollten oder welcher Metalrichtung wir angehören wollten. Jeder brachte seine eigene Art des “Krach produzierens“ ein. Jazzi und ich waren mehr vom klassischen Heavy beinflusst, Tschösi hörte die zur damaligen Zeit  schon exisitierenden extremeren exotischen Bands. Seine Art der Vocs waren davon beeinflusst und er schreite sich quasi einfach die Seele aus dem Leibe. Das war sein eigenes “Organ“ welches ein „hysterisches Geschrei“ hervorbrachte, welches  vermutlich nie mehr kopiert werden kann. Tschösi teilte mir schon vor der Ranimation 2003 mit, dass er selbst das gar nicht mehr kann und auch nicht will, da er sich dem klassischen Gesang widmet und eine entsprechnde Ausbildung gemacht hat. Das war Tschösis ureigene Art des Shoutens und der Hall gab dem ganzen noch eine spezielle Atmosphäre.

2) In einem älteren Interview mit Dir, das während der Zeit geführt wurde, als MESSIAH noch nicht wiedervereinigt waren, konnte ich etwas von einem Soloprojekt lesen, das Du seiner Zeit forcieren wolltest. Was ist daraus geworden?

Vermutlich sprichst du MOURNINGSIDE  - A Dark Metal Opera… an. Das war ein Experiment / Projekt mit einem Kumpel von mir (Roman Kovalik), der klassische Arrangements und Chöre zu meinen Metal Kompositionen komponierte und arrangiert hatte. “Shining bright mourningside“ war/ ist eine Art Black Metal Oper von über 20 Minuten Spielzeit. Es war nie die Absicht, das zu veröffentlichen, sondern ein rein musikalisches Experiment für den Eigengebrauch. Die Drums und Vocs wurden in einem Studio produziert, die Gitarren, Bass, klassischen Chöre und Arrangements in unseren Schlafzimmern! Eine eigentlich verückte Geschischte  welche vielleicht doch mal zugänglich sein sollte. Roman Kovalik lebt in LA und vertont mittlerweile bekannte Filme – auch Horrorfilme. Ich habe ihn für die Zusammenarbeit für das neue geplante MESSIAH-Album kontaktiert und er willigte ein – wird spannend!

3) MESSIAH waren in ihrer Frühphase auch immer wieder für spleenige Titel bekannt. ‚The Dentist‘ steht auf eurem Debüt, der gleichnamige US Horror B-Movie kam 1996 heraus…. Habt Ihr da etwa schon eine Blaupause für das Drehbuch geliefert?

Nein, nein – das weiss ich nicht ob es einen Zusammenhang gibt – finde es aber sehr interessant…J muss ich mir mal reinziehen.

4) Ein anderes Beispiel: ‚Enjoy Yourself‘ das phonetisch die kaputte Schunkel Satire ‚Das Schützenest‘ von Faith No More vorweg genommen hat. Die Schweizer, immer die Pioniere? ;)

Auch hier keine Ahnung – du schlägst Parallelen die mir gar nicht bekannt sind. Es ist natürlich “ im Nachhinein“ immer möglich, auf Anfangsideen abzustellen. Wenn es wirklich einen Zusammenhang gibt, finde ich das natürlich durchaus interessant. Nun, die Schweizer immer als Pioniere – ich weiss nicht- vielleicht hat es mit der Eigenwilligkeit der Helvetier zu tun, gegen den Strom zu schwimmen. Heute - immer noch wie auch in vergangenen Zeiten, - sonst gebe es uns (Helvetier) heute vielleicht gar nicht mehr… Enjoy Yourself entstand aus rein negativen Erfahrungen einiger  unserer ersten Konzerte, wo es nicht gerade zimperlich zu- und herging, was Gewalt und unnötige Excesse anbelangte. Es gab Verletzte und auch Dinosauer Suremann (Chainsaw Murder Rec.) – welcher unsere ersten beiden Alben produzierte, ging an einem  chaotischen Gig mit einem gebrochenen Oberarm aus dem Saal, verursacht von einem Besucher der nicht unterscheiden konnte, was Fun und Ernst ist. Das bewog uns dazu, diesen Song zu schreiben. Das besagte Konzert hatten wir deshalb abgebrochen.

5) Überhaupt, die Schweiz hat als Metal Staat ihren Bands immer das gewisse Etwas  an Verschrobenheit, aber auch überbrodelnder Kreativität mit auf den Weg gegeben. Man denke nur an Calhoun Conquer oder Lunacy, wenn man mal die anderen beiden großen „C´s“ unerwähnt lässt. Vor Jahren haben die Musiker, darauf angesprochen, das immer damit begründet, dass man in der Schweiz immer ein bisschen weiter Weg von aktuellen Strömungen war.  Wie beurteilst Du das? Schließlich wurden zu Eurer Zeit auch im hohen Norden oder Südamerika wahre Meisterwerke des Death/Black oder Thrash Metal kreiert.

Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Vielleicht haben  auch die damals geltenden gesellschaftlichen allgemein anerkannten Regeln in der Schweiz dazu beigetragen – das gilt zumindest für uns MESSIAH im blutjungen Jugendalter. Natürlich kannten wir auch die Werke der weiter entfernten Bands der von dir genannten Länder durch die unglaubliche Underground Scene der damaligen Zeit. Hinzu kommt, dass die Schweizer als Nachbarland näher an den deutschen Medien waren, welche doch auch prägend für die europäische Scene waren/sind.

6) Wer kam damals eigentlich auf die Idee das Drum Kit so zu „verhängen“? UND: Wenn man sich eure alten Fotos mit dem Corpsepaint anschaut…. Auch da habt ihr sicherlich viele andere Bands inspiriert…

Rein jugendliche Euphorie und Fans von Horror Filmen. Ich möchte hier anmerken, dass in diesem Zusammenhang MESSIAH nie eine Black Metal Band war. Abgesehen von einigen  eher “pupertären“  Textphrasen auf HTAM, welche nicht wirklich intelligent und veröffentlichungswürdig wären…..

7) Das gute an diesem Interview: Es wird keine Frage zum Artwork von „Extreme Cold Weather“ geben. Aber: Welches Artwork spiegelt deiner Meinung eigentlich am besten ein MESSIAH Album künstlerisch wider?

Choir of horrors – es wiederspiegelt symbolisch diverse verarbeitete Themen in den  Songs von MESSIAH.

Rein von der Originalität her trotzdem “Extreme Cold Weather“ , weil es simpel und einfach nur ein Ausdruck unseres damaligen Anschisses des ungewöhnlich kalten Wetters 1987 war.

8) Was sich alle Fragen werden: Wie klingen MESSIAH denn nun im 90er Jahre Line-Up, mitten in der Arbeit zum Comeback Album?

Da sind wir selber sehr gespannt darauf. Um es vorweg zu nehmen: Wir werden uns weder an den alten Alben orientieren um den alten Fans gerecht zu werden, noch den Medien gefallen  wollen -  und schon gar nicht neuen Trends hinterhereifern.  Der einzige Motor dazu ist unsere heutige Freundschaft in der Band im Noise Line-Up, mit unserem unterschiedlichen Musikgeschmack und einem Feeling als älter gewordene Individuen mit der reinen Freude an der Musik. Wir müssen ja nicht – sondern wollen einfach nur….

9) Hättest Du lieber eine „kohärente“ Existenz der Band gewünscht, anstatt von 1984 – 1955, dann eine kurze Wiederbelebung in 2003 und nun wieder seit 2017? Oder hat Dir das so auch als Mensch und deiner Entwicklung viel besser in den Kram gepasst, als eine Band über einen so langen Zeitraum lebendig zu halten?

Ich kann hier wirklich nur für mich antworten. Die Splits kamen immer wieder zustande, weil es freundschaftlich zumindest für mich nicht mehr stimmte. Nie war der Zwang eine wirklich erfolgreiche Band  aufrecht zu erhalten im Vordergrund. Musiker wären immer auswechselbar – das haben wir zwar vor dem Underground Album auch gemacht, aber das ist für MESSIAH nicht der Sinn der Sache, nur um eine Band aufrecht zu erhalten, nur Erfolg anzustreben. Sicher sahen wir mit dem Noise-Deal “Licht am Horizont“ und eine gewisse Erwartung an einen Erfolg damals, das kann ich nicht leugnen. Allerdings habe ich in meinen Lebenssituationen zu allen Zeiten MESSIAH nie in den Vordergrund gestellet, da für mich in meinem Leben auch andere Lebensqualitäten eine wichtige Rolle spielen. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein.

10) Mit welchen Bands aus dem Metal Bereich fühlst Du Dich 2018 am meisten verbunden, welche Bands berühren dich, inspirieren dich?

Da nenne ich einfach wieder MANILLA ROAD! Ich ziehe mir die Combo seit meiner Jugendzeit und deren ersten Alben rein, Marc ist für mich ein “Gitarrengott“ vom Feeling her. Und das schöne daran – was zu deiner Frage passender nicht sein könnte und mich voll erfreut – die sind heute voll angesagt (im Gegensatz zu früher). Ich könnte hier noch viele Bands nennen, zuhause bin ich eher bei den alten klassischen NWoBHM-Bands. Inspirieren lasse ich mich von meinen Gefühlen ohne in einem Schema zu verweilen. Wenn ich aus rein musikalischer Sicht das volle Programm reinziehen will, geniesse ich DIMMU BORGIER auch wegen dem klassischen Firlefanz, die Texte und das Image interessieren mich jedoch gar nicht.

 

DANKE FÜR DIE ZEIT!    

 

Vielen Dank Diggi für die gelungenen Fragen – das Interview hat mir sehr Spass gemacht, da nicht immer die gleichen langweiligen Fragen aufgetischt wurden.

Cheerz,

Brögi



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