Section: Reviews 40376Autor: Diggi
Datum: 17.05.2018
Bereich: Reviews

Was kann das neue Album der Amis?

Cult Of A Dying Sun

UADA

Mit ihrem 2016 erschienenen Debut Devoid of Light wirbelten die Portländer Uada ja schon einigen Staub auf. Von „hinreißend melodiös“ (also, „hinreißend“ im dissectionesquen Sinne) bis „elende Mgla-Kopisten“ war die komplette Bandbreite an Reaktionen vertreten. So durfte man also mit Spannung den Nachfolger erwarten, von dem einige Stücke bereits auf der Europa-Tournee im Frühjahr vorgestellt wurden – so z. B. am 20.04.2018 im Oberhausener Helvete mit Zuriaake aus China (was sich übrigens als ganz hervorragende Veranstaltung entpuppte).

Ich konzentriere mich hier mal rein auf die Musik. Wer also was wie wo produzierte / abmischte / graphisch gestaltete / fotografierte, überlasse ich der Findigkeit des geübten Google-Bedieners; das Ergebnis weiß jedenfalls auditiv und visuell zu überzeugen. Im Gegensatz zum Vorgänger gibt es auf Cult of a Dying Sun nun sieben (vormals fünf) Stücke zu hören. Die Spielzeit wurde dabei fast verdoppelt (von gut 33 auf nun 56 Minuten). Startete Devoid of Light noch mit einer kleinen folkigen Melodie, gibt es hier von der ersten Sekunde an langen Hafer; schon mal ein Pluspunkt. Überhaupt zeigt The Purging Fire gleich mal auf, dass Uada kein one-trick-pony sind; der äußerst variable Gesang – vom Kreischen über heiser klingende Schreie bis zum Growlen ist da alles dabei – sowie das in der Mitte des Songs einsetzende Break in bester old-schooliger Carpathian Forest Manier wissen neben den gewohnt hochklassigen Melodien zu überraschen und überzeugen. Snakes & Vultures beginnt mit zwei wunderbaren Melodien, deren einziger Makel ist, dass erstere so auf Mglas With Hearts Towards None und zweitere auf der Exercises in Futility hätte stehen können. Und so ergreifend insbesondere die Leitmelodie ist, eine Wiederholung weniger im Arrangement hätte es vielleicht auch getan; ein um 90-120 Sekunden kürzerer Song wäre etwas griffiger gewesen. Mit dem Titelstück Cult of a Dying Sun zeigen Uada dann aber, dass sie neben dem Gesang auch musikalisch sehr gut auf eigenen Füßen stehen können; die zwei Soli – und hier insbesondere das etwas Melancholischere nach sechseinhalb Minuten – geben dem Song eine schöne eigene Note. In die Mitte des Albums wurde dann mit The Wanderer ein Instrumentalstück platziert, welches nicht nur eine kurze Verschnaufpause im ansonsten eher schnelleren Treiben anbietet; dieses Stück nimmt einen mit auf die Reise durch die vielfältige Natur Oregons, dem Heimatstaat Uadas. Blood Sand Ash ist der für mich schwächste Song auf dem Album, ohne jedoch schlecht zu sein. Die melodiösen Passagen sind mir eine Spur zu verträumt, während die schnelleren Passagen nicht im Ohr hängenbleiben. Aber gut, ist wohl Geschmackssache. Das Mini-Intro zu Sphere, dem vorletzten Stück, hätte auch gut zum kosmischen Vernichtungsschlag (aka Planet Satan) von Mysticum gepasst. Besonders auffällig an diesem Stück ist der extrem knurrige Gesang zu Beginn, den der Boss von Root auch nicht eindringlicher hinbekommen hätte. Das in die Schlussmelodie hinein einsetzende Piano samt Regenkulisse sorgen für einen schönen Ausklang. Auf Mirrors, dem letzten und mit über zehn Minuten Spielzeit auch längsten Song des Albums, bündeln Uada dann noch mal alle Kräfte: tolle Melodien, abwechslungsreicher Gesang, dynamische Arrangements. So klingt zeitgemäßer Black Metal nordamerikanischer Provenienz.

Mit den Mgla-Vergleichen werden Uada wohl noch länger leben müssen. Bis deren noch sehnsüchtiger erwartetes Album erscheint, können Uada einen mehr als wettbewerbsfähigen Release ins Rennen schicken, der durchaus auch genügend eigene Akzente setzt. Cult of a Dying Sun lädt zum permanenten Mitwippen des Fußes ein (unterbrochen von einer in die Höhe gereckten Faust hier und da) und nutzt sich auch nach mehreren aufeinanderfolgenden Hördurchläufen nicht ab. Gut so!

VÖ: 25.05.2018

Label: Eisenwald

Fazit: 8 / 10



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