Section: Reviews 40520Autor: Diggi
Datum: 11.06.2018
Bereich: Reviews

Kollege ITM stellt sich indischen Dimensionen...

Thermogravimetry Warp Continuum

JOYTISAVEDANGA

Denk ich an Indien, denk ich an Kühe, Kasten, Tetragrammacide. Auch Jyotisavedanga kommen aus Indien, es gibt sogar Überschneidungen mit Tetragrammacide in Form von Gitarrist Sadist, der sich Verstärkung von AR (Banish, ebenfalls Indien) geholt hat. Komplettiert wird das kosmopolitische Quartett von mehr oder weniger bekannten Black/Death/Noise-Musikern aus Russland und der Ukraine.

Das Intro, Distress Signal_Source Unknown, ist eine mehr als dreiminütige, dronige Sound-Collage, die Dunkle Materie in vertonter Form empfinden lässt. Dazu eine suchende, leicht verzweifelt wirkende Kommunikation aus dem Nichts – oder ins Nichts. Wer weiß das schon? Jedenfalls sehr stimmungsvoll, und man erwartet jetzt irgendwie eine kosmische Attacke, die sich gewaschen hat. Stattdessen geht es auf Quantum Integers Systematic Deduction zunächst verhalten los. Nach 20 Sekunden schaltet man dann in den erwarteten Vernichtungsmodus, den man aber glücklicherweise nicht gnadenlos bis zum Ende durchzieht, sondern zu Gunsten eher schleppender, teils atmosphärischer Keyboard-Parts immer wieder aufgibt. Der verhallte Bestial War-Gesang und die runtergebrezelte Gitarre sorgen für den nötigen Druck in der Magengegend. Interessant aufbereitetes Gemisch, nur nicht ganz so leicht rauszuhören. Im gleichen Stil geht es auf Bilateral Indexing Theory weiter. Sehr schnelle und gedrosselte Passagen wechseln sich ab, bevor es nach drei Minuten in eine Art Weltall-Outro übergeht. Generell wirkt das Album bisher so, als wäre es irgendwo auf einer Raumstation entstanden. Schon ganz cool. Bei Protocol_ Hyper Sterilization Ini habe ich mich dann zum ersten Mal dabei ertappt, die durchaus beachtliche Leistung des Schlagzeugers zu bemerken, was nicht etwa daran liegt, dass er alles in Grund und Boden blastet, sondern teils auch schöne rhythmische Muster spielt. Imploding Liner Fusion Propulsion System ist mit 08:35 Minuten das längste und gleichzeitig auch letzte Stück auf der Platte und im Gegensatz zu den anderen Songs kommt es ohne Blastbeats aus. Der Song klingt irgendwie wie die Weltraum-Variante von Urfausts The Constellatory Practice; alles sehr ambientig und getragen, sehr auf Atmosphäre bedacht. Interessant.

Die Aufnahme ist schon sehr indifferent. Keine Ahnung, ob das am fehlenden Budget der Band, dem fehlenden Knowhow des Produzenten oder an purer Absicht lag; auf jeden Fall muss man sich schon sehr konzentrieren, dem Ganzen zu folgen, nicht zuletzt, weil dem Gesang im Mix eine zu prominente Rolle zuteilwurde. Schade auch, dass den Promo-Materialien oftmals keine Lyrics beigefügt sind, auf Grund der Titel lässt sich vermuten, dass hier nicht unbedingt 08/15-Texte zum Besten gegeben werden. Nicht, dass ich dann besser verstehen würde, was es mit der auf Zufall und Chaos basierenden Existenz und den thermodynamischen Gesetzen in der fünften Dimension auf sich hat; ist aber zumindest mal was anderes als der esoterische oder misanthrope oder antiklerikale Stoff, den man sonst nicht selten vorgesetzt bekommt. Auch ohne indischen Exotenbonus lohnt es sich, die Band mal im Auge zu behalten. Möge der nächsten Aufnahme eine bessere Produktion beschieden sein.

VÖ: 06.06.2018

Label: Larval Productions

Fazit: 6,5 / 10



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