Section: Reviews 40729Autor: Diggi
Datum: 10.07.2018
Bereich: Reviews

ITM attestiert keinerlei Abnutzungserscheinungen....

Okeanos

FIRTAN

Aus Lörrach beehren uns Firtan mit ihrem zweiten Album Okeanos. Da ich die Band vorher nicht kannte, war ich gespannt, was mich denn da erwartete. Das Promo-Schreiben spricht von atmosphärischer, progressiver Musik, die ihre Wurzeln im Black Metal hat. Der erste Höreindruck lässt diese Aussage schon mal nicht als völlig an den Haaren herbeigezogen erscheinen. Aber einmal Hören ist ja quasi keinmal Hören, weshalb ich mir dieses interessante Werk natürlich mehrmals zu Gemüte geführt habe und im weiteren Verlauf feststellte, dass die ebenfalls im Promoschreiben genannten Tour-Referenzen (unter anderem Rotting Christ und Der Weg einer Freiheit) durchaus ihren Niederschlag im Song-Writing gefunden haben, glücklicherweise ohne auch nur im Ansatz eine dominante Rolle dabei einzunehmen.

Schon mit dem Opener Seegang wird hier auf über achteinhalb Minuten klargemacht, dass Abwechslung großgeschrieben wird. Schöne, immer wieder auch mal kurze, fast schon depressiv klingende Melodien; Synth-Einsatz; Meeresrauschen; völlig unterschiedliche Gitarrentypen, die trotzdem harmonisch miteinander verbunden werden; eine Stimme, die mal eine Geschichte erzählt, dann voller Wahnsinn kreischt, bevor sie in den für dieses Album vorherrschenden Modus des kraftvollen, manchmal auch heiseren Schreiens übergeht; ein Schlagzeug, das mal rast, mal schweigt, sich mal zurücknimmt und dann wieder nach vorne prescht. Hier wird wirklich die ganze Palette geboten, und das ändert sich auch nicht auf Tag verweil, dem zweiten Stück des Albums. Nacht verweil hat im Anschluss daran nicht nur ein betörendes Intro mit dramatisch klingendem Keyboard im Hintergrund, sondern auch einen zum Glück nicht pathetisch klingenden Streicher-Einsatz in der Mitte des Songs, alles umrahmt von wirklich tollen Melodieläufen der Gitarre. Hört sich vielleicht blöd an, aber bis hierhin fühlte ich mich an einigen Stellen stimmungstechnisch wie in eine heftigere Variante von The Wake of Magellan von Savatage hineinversetzt. Und dieses Gefühl hält bis zum Ende des Albums an, das sich in seiner gelungenen Mischung aus hervorragenden Melodien und Variabilität treu bleibt.

Es brächte nichts, die einzelnen Songs im Detail beschreiben zu wollen, man muss sie hören und sich von der erzeugten Stimmung mitnehmen lassen. Firtan spielen zwar keine Musik, die so richtig meinen Geschmack trifft. Gleichwohl komme ich nicht umhin anzuerkennen, dass sich hier eine Band richtig viele Gedanken um Musik und Konzept gemacht hat. Es gibt hier eine Fülle verschiedener Elemente, die im überwiegenden Teil der knapp mehr als 40 Minuten Spielzeit zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt werden. Hörer, die auf Heavy Metal mit dunklerem Touch stehen, könnten hier mal ein Ohr riskieren. Hörer, die auf multilateralen (im Sinne von nach vielen Seiten offenen) Black Metal stehen, könnten ebenfalls Gewinn aus dieser Scheibe ziehen. Am Ende des Tages haben Firtan ein modernes Metal-Werk geschaffen, das auch nach mehrmaligem Hören keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Wirklich gelungen und kaum zu glauben, dass dies erst das zweite Album der Band ist.

VÖ: 13.07.2018

Label: AOP Records

Fazit: 8 / 10



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