Section: Reviews 41501Autor: Diggi
Datum: 05.10.2018
Bereich: Reviews

..passender kann man solch ein intensives Zweitwerk nicht betiteln...

Amok

NULL POSITIV

HORNELLA!

"Koma", das Debüt war ein Paukenschlag. 4 junge Musiker haben nach der nicht minder starken EP "Krieger" ernst gemacht und mal eben im Alleingang den Terminus deutschsprachigen Metal tatsächlich revolutioniert. Und nun? Seit der EP "begleite" ich die Band als stiller Beobachter und Hobby Journalist. "Amok" hat mich lange beschäftigt....Nein, das Album beschäftigt mich immer noch. Eines vorweg: NULL POSITIV hätten nach dem Überrraschungserfolg des Debüts auf Nummer sicher gehen können: Mit einer Ausnahmesängerin wie Elli Berlin hätte man die harten, scharfen Kanten im modernen, extremen Soundhabitus abschleifen können und in Richtung Pop Metal schielen können, inklusiver fokussierter Vermarktung in Sachen Frontfrau. Die Band geht auf "Amok" genau den entgegengesetzten Weg.

Wer jetzt schon mehr unter Beobachtung steht wie beim Erstling muss Asteroiden-große Eier haben so krass wie mit 'Psychopath', 'Trauma' und 'Amok' zu beginnen. Meine Fresse, was für bittere Texte! NULL POSITIV haben auf "Koma" noch die Umwelt, den Verfall der Sitten, die degenerierte Gessellschaft im Fadenkreuz gehabt. Nun dreht sich alles um die inneren Dämonen und Seelenpein, tief im inneren eines jeden.... Das ist alles andere als leichte Kost. Verpackt in vertracktere Rhythmik und fickerigen Riffs. NULL POSITIV haben sich selbst durch mehrere Höllenkreise gejagt, um so ein Monster an Album auf die Welt loslassen zu können. Erst mit dem Chorus zu 'Amok' finden Elli Berlin und Band zu bekannten Ohwurmqualitäten zurück.

Daran müssen sich die Hörer auf "Amok" gewöhnen. NULL POSITIV hätten den Weichspüler beimischen können, aber ganz besonders der Gesang ist dermaßen auf Angriff programmiert, das man bei den 13 Stücken in Summe manchmal regelrecht an die Wand gedrückt wird. Ein wenig mehr hätte die Band auf das vorhandene Gespür für großangelegte emotionale Refrains setzen dürfen, wie Sie es dann bei 'Neue Matrix' tun.

NULL POSITIV betreten aber auch bei den großen Gesten durchaus neues Terrain, denn das tief-traurige, epische 'Rabenhaar' ist sicherlich ein Novum in der Bandgeschichte, hier hat man einen faustgroßen Kloß im Hals. Musikalisch setzen NULL POSITIV auf zum Teil polyrhythmische Djent Muster, in Verbindung mit der einzigartigen Art und Weise, wie diese Band modernen Heavy Metal ohne Kitsch und Tussy Genöhle interpretiert unterscheidet sich "Amok" dann doch sehr vom Debüt. Der Hörer muss sich hier sehr viel Zeit nehmen und das ist gut so.

Weitere Hochlichter neben dem Eröffnungstrio und den bereits genannten musikalischen Gegenpole sind sicherlich auch die eindringlichen, teilweise erschütternden Stücke 'König Ego', Hexenjagd' oder 'Turm der Angst'. Der englischsprachige Feldversuch 'Scars' will jedoch nicht recht zünden. Auch die Produktion ergibt mit den harten Texten, der härteren musikalischen Ausrichtung eine Entität, denn der Sound ist ebenfalls schroff, partiell sogar kratzbürstig.

NULL POSITIV bleiben sich mit ihrer autarken Arbeitsweise selbst treu und bleiben auch mit dieser, auf den ersten Hör eher unzugänglicherern Art und Weise "the next big thing" im heimischen Metal Zirkus. Die Zukunft gehört dieser Band!

8 Points.



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