Section: Reviews 41928Autor: Fetzer
Datum: 04.12.2018
Bereich: Reviews

Purer Doom Metal

Pray For Doom

DAWN OF WINTER

Braucht ihr den Soundtrack für die kommenden langen Winternächte? Bock auf 100 Prozent traditionellen wahren Doom Metal? Dann habe ich hier genau das Richtige für euch. Dawn Of Winter veröffentlichen am 07.12.2018 ihren dritten Longplayer. Doom is the soul of Metal, so hieß es im Eröffnungstrack des Vorgängeralbums 'The Peaceful Dead' aus dem Jahre 2008, mit dem ich diese Band kennen und lieben gelernt habe. Dem kann ich voll und ganz zustimmen. Übrigens bin ich damals durch die Traditionsmetaller Sacred Steel auf diese göttliche Band gestossen. Sänger Gerrit P. Mutz und Gitarrist Jörg M. Knittel haben lange Jahre zusammen bei Sacred Steel gespielt und auch dort schon den einen oder anderen geilen Doom Metal Song kreiert, man höre nur mal 'The Chains Of The Nazarene'. Als ich hörte, diese beiden haben auch noch eine Doom Metal Band am Start, musste ich mir natürlich auch diesen Stoff besorgen.

Dawn Of Winter kommen aus Deutschland und sind seit über 25 Jahren in derselben Besetzung. Neben Gerrit und Jörg sind da noch Schlagzeuger Dennis Schediwy und Bassist Joachim Schmalzried, die für einen absolut geilen, natürlich meist schleppenden Rhythmus sorgen. Ihr Debüt brachten die Jungs übrigens im Jahre 1998 heraus, was bedeutet, alle 10 Jahre kommt ein Album heraus. Das ist nicht viel, aber glaubt mir, hier lohnt sich die lange Wartezeit. In den Vorgänger bin ich inzwischen richtig vernarrt, der Song 'Throne Of Isolation' ist gar eines meiner Lieblingslieder überhaupt geworden. Umso größer ist natürlich nun die Erwartungshaltung, aber auch die Vorfreude auf 'Pray For Doom', wie sie das neue Werk genannt haben.

Zuvor noch einige Zeilen zu Sänger Gerrit. Ich liebe einfach seine Stimme. Er kann in einem Augenblick melancholisch oder leidend klingen, im nächsten wütend oder aggressiv, im übernächsten klingt er erhaben und aufbauend. Er erschafft wirklich tolle Gesangsmelodien die hängen bleiben und die Art wie er manchmal Wörter betont ist meiner Meinung nach einzigartig. Außerdem ist er bei 3 Hammerbands beschäftigt. Neben Sacred Steel und Dawn Of Winter ist er auch noch bei den Griechen Battleroar, mit denen er vor kurzem das beste Epic Metal Album des Jahres 2018 herausbrachte. Ich nehme es vorweg. Mit Dawn Of Winter gewinnt er für mich dieses Jahr auch in der Kategorie: Traditioneller Doom Metal. 'Pray For Doom' hat wirklich alles und braucht sich nicht hinter Größen wie beispielsweise Candlemass zu verstecken.

Melancholie, Seele, Verzweiflung, Leid, Epic, Schönheit, Kraft, Energie, Emotionen. Schwere Riffs, Drums of Doom bzw. of War, emotionale Gitarrenmelodien und absolut fantastische Gesangsmelodien, die einem spätestens nach dem zweiten oder dritten Durchlauf nicht mehr aus dem Kopf gehen. Gitarrist Jörg begeistert nicht nur durch seine schweren Riffs und sein gefühlsbetontes Spiel, ich finde auch den Sound seiner Gitarre fantastisch. Von den ersten Sekunden des Openers 'A Dream Within A Dream' bis zum letzten Ton des achten und letzten Songs 'Father Winter' spürt man die Leidenschaft der Jungs. Sie haben den Spirit für diese Art von Musik.

Das erste Stück beginnt natürlich langsam, klingt episch und hat einen Chorus der sich einbrennt. Die Zeile 'Love make me blind...now I am branded 666' des nächsten Stückes 'The Thirteenth Of November' wird so geil vorgetragen, ich bin hellauf begeistert. Ein Song der gleichzeitig etwas heiliges und unheiliges an sich hat, der dunkel und warnend klingt, aber für mich auch gleichzeitig kraftvoll und aufbauend. Schwer zu beschreiben und jeder wird es anders empfinden, aber für mich der beste Song des Albums. 'Woodstock Child' hat etwas herrlich wehmütiges an sich. 'Wait for the end', heißt es im nächsten Song 'The Sweet Taste Of Ruin'. Dieser klingt wieder dunkel, fast hoffnungslos, aber eben nur fast, denn trotz der Schwere hier, schaffen es die Jungs, gleichzeitig in mir ein Feeling auszulösen, die Hoffnung niemals aufzugeben. Hört sich paradox an, ist aber so. Der Titelsong hat einige stillere Momente, dann aber wiederum schwere schleppende Riffs, die geile Textzeile 'Shame on me, shame on you, shame on you, pray for me, pray for you, pray for Doom' und zum Schluß noch etwas bedrohliches. Sehr stark. Bei 'The Orchestra Of Bizarre' wird es für Doom-Verhältnisse etwas schneller und erscheint mir deswegen gut platziert, da man bei 'Paralysed In Sleep' und beim abschliessenden 'Father Winter' wieder auf die kommenden langen Winternächte eingestimmt wird und man meint, man kann das Leid der Welt förmlich heraushören. Letzterer erscheint trotz aller Langsamkeit hymnisch und wartet mal wieder mit sehr schönen Gitarrenpassagen auf. Vielleicht ist auch das mein Lieblingssong des Albums.

Beim Vorgängerwerk war es schon genauso, die Scheibe wächst bei jedem Durchgang. Wenn ich Punkte vergeben würde, dann wären es glatte 10 von 10 Punkten. Da der Vorgänger bei mir inzwischen auf 12 von 10 Punkten steht, bin ich gespannt ob 'Pray For Doom' diese auch erreichen wird. Wer meint dieses Feeling für puren Doom zu besitzen, der muss hier unbedingt zuschlagen. Dawn Of Winter haben definitiv dieses Feeling. Veröffentlicht wird wie gesagt am 07.12.2018 via I Hate. Ach so, ich fand übrigens heraus, dass die Jungs zwischen ihren Alben einige Demos und EPs fabriziert haben, die es für mich noch zu entdecken gilt. Darauf freue ich mich schon. Der Winter kann kommen.

https://www.facebook.com/Dawn-Of-Winter-221810797934891/



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