Section: Interviews 43538Autor: Diggi
Datum: 31.08.2019
Bereich: Interviews

Madnes reigns...in Altenessen!

Die With Your Beer On

MADNES

Vor Ort Termin in Altenessen, mitten im Hochsommer sitze ich im Proberaum bei MADNES, mit Schlagzeuger Paul, Bassist Mike und Dara Kaos, die Dame die die Geschicke dieses Trios mehr oder weniger leitet, denn das MADNES nun ein Trio sind, ist gar nicht so selbstverständlich. Im Zeitraffer zeichnet Dara die Anfänge der Idee einer Band nach.

„ Ich habe zunächst ein Projekt, eine Idee verfolgt und dann in 2012 damit begonnen 2 Lieder zu schreiben. Ein halbes Jahr später habe ich dann Paul getroffen. Das war alles noch in St.Petersburg, in Russland. Dann haben wir gemeinsam weitere Stücke geschrieben, wollten das dass aber alles eher ein Studio Projekt bleibt.  Kurz danach sind wir dann nach Deutschland, dann ist erstmal längere Zeit rein musikalisch nichts passiert.

Paul ergänzt: „Ja, wir saßen ein Jahr in Saarbrücken fest, da ist mal so gar nichts los….Hallo Saarbrücken!!!“  Dara fährt fort: „Später sind wir dann im Ruhrgebiet gelandet und Paul hat in einer Band angeheuert in der Mike bereits spielte. Irgendwann hat Mike sich dann angeboten, auch bei uns mitzumachen, die schlussendliche Entscheidung fiel dann glaube ich nach einem Jahr, also dass wir als Trio weitermachen. In dieser Zeit kamen wir dann auch an diesen Proberaum. Das war vor 2 Jahren.“

„Live spielen wir jetzt in der Besetzung seit knapp 1,5 Jahren…und warum ausgerechnet hier? Naja, weil Altenessen, halt! Hahaha…. Nein, es war mehr oder weniger Zufall, wir waren auf der Proberaumsuche und haben dann einfach Glück gehabt“ erklärt Paul den Glücksgriff für die Band.

Man muss jetzt mal dazu sagen, dass, wenn das hier jemand aus Brandenburg oder Bayern liest, der würde sich schon wundern, wie eine junge Band aus dem Stand in das vermeidliche Epi Zentrum des deutschen Thrash Metal kommt….

Dara bekräftigt nochmal: „Das war echt totaler Zufall. Paul hat in Saarbrücken die Karte ausgepackt und gefragt wohin sollen wir jetzt gehen? Dabei kam dann Essen raus.“ Paul dazu: „Ich habe die Augen zu gemacht, den Finger auf die Karte und Zack! Was ist so in der Nähe? Düsseldorf, Köln…passt! Wir wussten das Kreator oder Sodom hier grob herkamen, aber ob das nun Altenessen, oder Gelsenkirchen war, das war uns eher egal.“

Warum war eure erste Station in Deutschland Saarbrücken?

Paul: „ Ach, das hatte rein praktische Gründe, es ging um die Sprachschule. Wir haben da ein Jahr die Sprachschule besucht. Da konnten wir uns als Band allerdings nicht entwickeln. Da ist nix los. Hier ist es viel einfacher geeignete Musiker zu finden.“

Wenn man das so hört, oft wird darüber geredet, dass es früher einfacher war einen guten Proberaum zu finden, gerade auch Auftrittsmöglichkeiten…

Paul: „Im Ruhrgebiet gibt es einfach übertrieben viele Bands! Hahaha…“

Mike schaltet sich in Sachen Willenskraft ein… „Aber wenn man sich ein bisschen bemüht dann geht das . Man muss dafür was tun. Wenn man im Proberaum nur hockt und darüber redet, dann passiert in diese Richtung auch nichts.“ Dara bringt es auf den Punkt: „Wenn man etwas wirklich will, dann bekommt man es auch. Dann findet man auch einen Proberaum.“

Mike: „Wir haben auch gar nicht lange suchen müssen, das ging relativ fix. Gerade hier im Pott, überall Bunker und andere Räumlichkeiten… alleine hier sind es bestimmt 50 Proberäume und in jedem sitzen 2 oder sogar 3 Bands. Wir haben hier auch wenig Stress.“

Nochmal zu dem Entschluss das Ihr beiden (Dara und Paul) der Heimat den Rücken gekehrt habt… wollt Ihr über eure Beweggründe sprechen? Waren das rein musikalische Gründe?

Paul: „ Erstens ging es rein um Russland. St.Petersburg….Dara kommt ja vom anderen Ende der Welt und ich komme ursprüngliche aus Sibirien…“ Dara wirft scherzhaft ein: „Mongolei!“ Paul kontert: „Genau, Westchinese!  OK, Dara war schon länger in St.Petersburg zwecks Studium.  Für Bands ist St.Petersburg gar nicht so verkehrt, aber kein Vergleich zu Europa!“

Dara: „ Es ist für eine Band aus Russland immer noch nicht so einfach in Europa. Egal ob es um Gigs oder Alben geht. Kaum ein Promoter oder Labelmensch will mit Bands aus Russland zusammenarbeiten. Alleine einen verlässlichen Kontakt z finden ist schwer…

Paul: „ Es gibt eine Menge gute Thrash und Death Metal Bands in St.Petersburg, aber von denen wird wohl kaum jemand außerhalb der Stadt je etwas hören.  Leider, die kaumen nicht aus der Stadt, Tourneen außerhalb Russlands sind für Labels und Bands – ohne andere Unterstützung – nicht bezahlbar.“ Dara kommt auf des Pudels Kern und das sollte jedem vor Augen führen, wie gut es dem ein oder anderen in diesem Land hier geht….

„ In Russland verdient mal viel viel weniger als ein Hartz 4 Empfänge in Deutschland. Das ist leider so.“

Das mit den Tourkosten ist aber auch erklärbar. Ähnlich wie in Australien, Brasilien, Indonesien oder den USA muss man große Distanzen überwinden. Eine Band aus Russland muss daher fast schon auf jedem Bierdeckel in Europa den Stecker einstöpseln, um eine Tour mit Tonträger und Merchandise Verkäufen nicht in die roten Zahlen laufen zu lassen. Von Wäsche waschen, Essen und Trinken und einem verlässlichen fahrbaren Untersatz ganz zu schweigen. Ziemlich absurde Situation, wo doch die heilbringende Globalisierung und Digitalisierung alles bezahlbarer, schneller und transparenter macht.

Mike: „ Eben, wie soll man das alleine bezahlen. Selbst wenn Du jemanden hast, der dir eine Tour organisierst, musst Du, wenn Du z.B. eine Band aus Malaysia bist, immer noch schauen, wie Du dich da am kacken hälst.“

Dara: „ Dazu kommt – um auf Russland zurückzukommen – ja auch eine ziemlich offensichtliche Anti-russische Berichterstattung und Meinungsbildung. Das spielt auch eine Rolle. Ich kenne Bands aus St.Petersburg, die Festivals anschreiben, mit dem Hinweis mehr oder weniger umsonst dort auftreten zu wollen, nur um den Bekanntheitsgrad zu steigern, aber kommt es dann zum Thema Heimtland, dann kommt ein striktes NEIN.“

Also ist es in der Metal Szene, als Spiegelbild der Gesellschaft auch nicht viel besser, was Klischees, gefährliche Halbwahrheiten usw angeht….?

Dara: „ Wir haben in Deutschland schon eine Absage von einem Label bekommen, eben weil wir aus Russland stammen.“

Da darf man sich dann fragen, wie aufgeschlossen ist die Metal Szene, das Business was daran hängt und der Fan, bzw. wie reflektiert und selbstbestimmt sieht man das Weltgeschehen, oder eben nicht.

Mike: „Die Metal Szene ist sicherlich in vielen Bereichen toleranter als die Allgemeinheit, aber irgendwie machen auch viele Leute da ihr eigenes Ding und hängen im Tunnelblick. Außerdem hat man es gerade im Ruhrgebiet mit festen Strukturen zu tun. Kennste nicht die richtigen Leute,dann kommste da nicht rein usw…“

Gutes Stichwort, Mike, Du hast es angesprochen mit dem eigenen Bemühen, auch wenn es um Gigs geht. Von nix kommt halt nix und ich habe mir mal angesehen wo ihr bisher aufgetreten seid. Das ist ja gar nicht so schlecht, oder? In der Zeche Carl, vor Hellhammer zu zocken ist schon was. Wenn man in diesem Ballungsgebiet nicht regelmäßig vertreten ist, dann ist man aufgrund der Bandschwemme auch ganz schnell wieder weg vom Fenster.

Mike: „  Genau, Du musst die Leute bis zu einem gewissen Grad regelrecht nerven. In Essen haben wir bisher zwei Gigs gespielt, ansonsten in Gelsenkirchen, Oberhausen und so.. ich bin dabei immer ehrlich. Unseren zweiten Gig haben wir in Köln gespielt, beim Rhein In Blood. Die das organisieren spielen in einer Band, die ich für ein Festival eingeladen hatte, welches ich veranstalte. Burn Down Kray heißt das! Im November startet die vierte Auflage. Viele arbeiten mit dieser Gegengig Sache, ich mach das nicht. Wenn es passt und sich ergibt und an die andere Band mal denkt, dann ist das doch gut. So entstehen dann Kontakte, die man dann nutzen kann. So war das auch mit dem Auftritt im Kulttempel in Oberhausen. Dem Inhaber hat aber auch unsere Mucke gefallen.“

Dara: „ So war es auch mit Hellhammer. Die haben sich tatsächlich unsere Songs angehört.“

Mike: „Genau, nicht so wie sonst über eine Booking Agentur. Der Paul arbeitet in der Zeche, wir haben uns dann ganz normal beworben, als lokale Band den Abend zu eröffnen. Die Agentur hat sich da rausgehalten. Tom Warrior hat sich das dann selbst angehört und uns geschrieben, das es ihn freuen würde, wenn wir den Abend spielen würden.“

Mike: „Das ist schon eine Ehre. Erstmal mit der eigenen Band in der Zeche zu spielen, dann als erste Band vor Hellhammer. Mann ich habe große Teile meiner Jugend da verbracht.“

Ich auch, da waren ja in den 90er Jahren mehrmals in der Woche Death Metal Konzerte. Leider hat sich das alles arg gewandelt.

Mike: „Der Tom hat selber in der Zeche Carl angerufen und seinen Gig da gebucht. Eben weil der Name Zeche Carl absoluter Kult ist.“

Paul: „ Es gab ja auch nur diese Warm-Up Shows vor den Festival Auftritten von Hellhammer. Frankfurt war ausverkauft. Zeche Carl fast….. Was fällt auf: Kaum Werbung…“

Mich hat für euch gefreut, dass die Kaue mehr als ordentlich gefüllt war. Das freut mich persönlich immer für Nachwuchsbands.

Dara: „ Ich hatte mit 50 Leuten gerechnet….“

Kommen wir mal zum Bandnamen. Viele werden wohl denken, dass ich den Bandnamen nicht richtig schreiben kann. Wollt ihr mal was zu der Schreibweise sagen?

Dara: „ Ich wusste gar nicht, das es eine Ska Band gibt, die Madness heißt. Ich wollte einfach nur einen prägnanten Namen haben, der irgendwo auch mich gut beschreibt…“

Mike: Die Ist Irre, aber eben nicht so ganz und deshalb fehlt ein „S“ im Bandnamen.

Das macht ja dann Sinn…Dara ist es richtig, das Du für den visuellen Bereich hier den Hut auf hast? Also was das Logo angeht, Artworks, T Shirt Designs etc….?

Mike und Paul: „ Sie macht das alles alleine.“

Naturtalent? Oder hast Du was in Sachen Graphic Design studiert, oder machst Du das gar beruflich?

Dara: „ Ich zeichne seit meiner Kindheit und ja, ich habe Graphic Design studiert.“

Paul: „Tättowieren kann Sie auch noch.  Los mach Werbung… Hahahaha….“

Dara: „ Tattoostudio 1971 in Essen, Kreuzeskirchstrasse 25….Hahahaha…“

Immer alles für Werbung nutzen, das ist schon richtig. Die erste CD ist eine CD, oder ein Demo, oder eine Bestandsaufnahme? Was ist das Teil für euch?

Dara: „ Für mich ist das eine ordentliche Veröffentlichung. Es ist mir egal, ob da 2 oder 6 Songs bei raus kommen. Was veröffentlicht werden soll, das wird dann veröffentlicht. Ist mir dann relativ egal, ob man das dann LP, EP oder Demo nennt. Ich verstehe nicht warum einige das EP nennen. 20 Minuten für eine EP wäre viel zu lang. Die erste Aufnahme hatte 4 Stücke….“

Mike: „Wir sind da ein wenig anders drauf…Warum muss das immer nach dem selben Strickmuster erfolgen.. Demo, Mini LP, oder was auch immer….“

Paul: „Es liegt auch daran, dass wir hier sehr unterschiedliche Musik hören, ich höre viel Crust und Punk. Die Scheiben aus der Ecke gehen 15 oder 20 Minuten, ist auch ein Album. Fertig.“

Dara: „ Ich finde „kurz und knackig in die Fresse“ besser, als zu lang und lagweilig.“

Das ist generell ein Thema für sich, denn gerade heute regt sich ja der ein oder andere auch gerne mal über Albumlängen auf. Man darf aber nicht vergessen, das in den 80er und 90er Jahren auch sehr kurze Alben von z.B. Sacred Reich oder Slayer raus kamen, da hat keiner mit der Stoppuhr daneben gestanden…

Mike: „35 Minuten und dann ist eine Vinyl Veröffentlichung voll. Da stehen wir eh viel mehr drauf als auf 70 Minuten lange CD´s. Von daher: Lieber Old School!“

Trotzdem ihr verschiedenste Musik hört, kommt ihr offensichtlich auf einen guten gemeinsamen Nenner…Die nächsten Stücke könnten sich bei euch aber auch schon wieder anders anhören… Wo geht da die Reise hin?

Paul: „ Wir haben geplant Mitte bis Ende Oktober neues Material aufzunehmen. Die Stücke sind schon anders, es wird wohl auf knapp 30 Minuten Musik hinauslaufen. Alles Riffs kommen übrigens von Dara.“

Mike: „ Ich glaube auch dadurch das wir uns Live gefunden haben, kommt die Sache jetzt anders rüber wie vorher. Wir haben jetzt unsere Geschwindigkeit gefunden.“

OK, das mit dem Trio bleibt jetzt aber so? Oder könnt ihr euch vorstellen zu wachsen? Da gibt es ja prominente Beispiele wie Sodom oder Destruction,die mittlerweile als Quartett unterwegs sind….

Dara: „Nein, Drei Leute sind genug. Das ist für uns so perfekt. Mike bewegt sich auf der Bühne für 3, also wären wir ja schon so gesehen dann zu sechst…Es gibt nur eine weitere perfekt Bandbesetzung und das ist Dark Throne…Aber die machen als Duo keine Konzerte…“

Ja, stimmt, aber bei denen redet einer für sechs Leute!

Mike: „ Dies Songs sind auch für ein Trio ausgelegt. So schreibt Dara die Musik, kaum Solis, das ist purer Sound für eine Triobesetzung..“

Ihr arbeitet gemeinsam dann an Rohvarianten die Dara mitbringt, oder nehmt ein Riff von Ihr als Ausgangspunkt?

Dara: „ Manchmal habe ich schon einen kompletten Song, mit Text und es geht dann nur noch um die Struktur die wir gemeinsam erarbeiten. Oder ich habe ein Riff, das basteln wir dann zusammen.“

Mike: „ Jeder kann seine Meinung äußern. Es ist eher die Ausnahme, das Dara dann sagt: Nein, wir machen das jetzt so und so…Nee, das passt schon.“

Dara: „ Ich habe zu 90% immer eine Vorstellung von einem Stück. Paul und Mike können jederzeit was dazu sagen, passt aber ein Vorschlag nicht in mein Konzept, dann sage ich das auch. Beide kommen damit klar, das ist doch super!“

Paul: „ Wir haben ja keine andere Wahl…..“

Mike: „ Genau, deswegen haben wir auch noch eine andere Band…Hahahahaha…“

Ich könnte mir vorstellen, dass es euch scheissegal ist,wo euch die Journaille Sujet-mäßig einsortiert, oder?

Dara: „ Vor zwei Wochen sagte ich während einer Probe, das wir überhaupt keinen Thrash Metal spielen…Darauf meinten Paul und Mike, was das denn sonst sein soll…“

Mike: „ Es ist echt, authentisch. Es ist irgendwo eine klare Kante.“

Paul: „ Denk an Celtic Frost: Da kam keiner mit klar. Was machen die da zur Hölle? Und wie sehen die aus?“

Welche Ziele habt ihr – außer sich nicht verbiegen lassen – mit MADNES. Man muss doch für sich ein Ziel verfolgen, sei es auch das andere das als naiv abtun. Ein Wort was in diesem Zusammenhang fälschlicherweise immer negativ besetzt ist. Aber welche konkreten Wünsche oder Ziele habt ihr gemeinsam?

Dara: „ Ich wünsche mir, das so viel Menschen wie möglich unsere Musik hören können, ohne das Sie über den Tisch gezogen werden.“

Mike: „ Ich hätte gerne eine Schallplatte. Da kann man dann doch auch stolz sein.Oder das wir als nächsten Schritt versuchen, in Nord und Süddeutschland mehr Auftritte bekommen. So etwas halt.“

Paul: „ Das sehe ich jetzt schon anders…Hahahahaha…“

Dara: „Paul mag es nicht unbedingt, Live zu spielen….“

Paul: „ Das ist nicht meins, aber die beiden wollen das, also ziehe ich mit. Ich habe mehr Spass daran im Proberaum und Studio zu arbeiten. Ob das jetzt viele hören oder nicht, ist mir egal. Ich mache das hier, weil es mir Spaß macht.“

Mike: „Wenn es irgendwann anfängt, in Richtung Arschkriecherei zu gehen, z.B. für Festivalauftritte, dann ist das auch eine Grenze. Dann sagen wir halt Nein. „Die With Your Beer On“ wurde zuerst in Malaysia veröffentlich. Nach ein oder zwei Wochen waren 200 Tapes weg. Das ist schon geil. Wenn wir ein Shirt für 10 Euro verkaufen, oder ein Tape für 5 Euro…das ist schon OK. Guck dir die Preise an, die andere Bands aufrufen. Das kann nicht sein. Wir haben unsere T Shirts sogar selbst gedruckt, mit Siebdruckmaschine und so…“

 

  

 

 

 



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