Depressive Age

Irgendwann mittags, gerade von der Arbeit zurückgekehrt, denke ich über das heute anstehende Interview mit Depressive Age nach. Zuerst brauche ich ne gute Entschuldigung (in Fachkreisen auch Ausrede genannt), weil ich das letzte Interview abblasen mußte, da ich später Feierabend hatte. Nun gut - so sei es denn. Nochmal eben die CD rauskramen, die übrigens super ist, und schnell reingehört; zum anstimmen quasi. Hey, welch göttlicher Erguß (Ähem). Um 17.30 Uhr erwarte ich den Anruf, und ich werde mit den Jungs über altes, neues und anstehendes plaudern. Mein heutiger Gesprächspartner ist Baßmann Tim.

BC: Nach der letzten Scheibe, vor zwei Jahren, war es recht stil um euch.

T: Nun, wir haben die neue Platte vorbereitet, und waren zwischendurch in Amerika. Dort haben wir ein paar Plattenfirmen abgeklappert. Wir hatten ein Demo mit, von dem neuen Material. Vor Ort wollten wir uns erstmal erkundigen, was so abläuft. Leider ist dabei nichts konkretes rausgekommen, aber es war doch eine interessante Erfahrung. Jedenfalls haben wir uns zur Vorbereitung der neuen Platte diesmal viel Zeit gelassen.

BC: Wo genau ward ihr im Amiland ?

T: Wir waren in L.A., San Franzisco und N.Y. Daß es nicht einfach sein wird, wußten wir auch. Unsere Tapes haben wir da abgegeben, und haben uns mit bestimmten Leuten getroffen. Wir sind da an Leute rangekommen, wo wir es für unmöglich hielten Ansprache zu halten.

BC: Ihr ward auf Tour?

T: Eigentlich weniger. Es war eine Tour mit Tiamat geplant, die aber ins Wasser gefallen ist. Daraufhin haben wir eine kleine Clubtour gemacht. Aber im wesentlichen war die neue Scheibe der Anlauf - und Konzentrationspunkt.

BC: Ihr habt bislang vier Alben gemacht,die sich sehr in der Machart unterschieden haben

T: Ja, die ersten zwei waren sehr im Metal angesiedelt. Beim dritten Album haben wir schon neue Sachen probiert, und haben uns mehr auf das Songwriting konzentriert. Mit dem dritten Album waren wir auch nicht so zufrieden. Die ersten zwei waren heavier. Bei der Nummer drei waren auch Folkeinflüsse dabei. Das neue Album schließt wieder mehr an das zweite an. Natürlich entwickelt sich eine Band; das darf man nicht außer Acht lassen. Ab dem dritten Album fand bei uns schon eine Umorientierung statt. Die genaue Richtung wußten wir noch nicht. Mit der neuen CD haben wir diesen Weg gefunden. Es ist auch schwieriger geworden in der heutigen Zeit. Da ist es nicht mehr wie in den Achtzigern. Im Metal, gerade da, hat sich viel getan. Es sind viele neue Richtungen entstanden. Jetz kommen langsam wieder die Bands ans Tageslicht, die eine Zeit lang verdrängt wurden. Das ist ganz interessant zu beobachten.

BC: Zu euerer neuen Scheibe: ELECTRIC SCUM. Scum heißt doch Abschaum...

T: Das ist eher ironisch gemeint. Es beschreibt das Zeitgefühl der 90er. Es wird alles immer schnellebiger. E. Scum ist demnach eine Zustands-beschreibung, über Dinge, die man so beobachtet. Man kann nicht sagen, was morgen ist. Es dreht sich auch um die ganzen neuen Technologien. Wir wollen allerdings nicht mit erhobenem Finger daherkommen und sagen: Das neue ist komisch oder böse...! Es dreht sich um alte Werte, die den neuen Platz machen. Dinge verändern sich nun mal durch den sogenanntem Fortschritt. Da bleibt die Frage offen: WO BLEIBT DER MENSCH ? Mit solchen Dingen setzt sich Electric Scum auseinander.

BC: Zwei Stücke finde ich besonders stark. Erstens Smalltown Boy und zweitens den Companero Song, der in spanisch gesungen wird. Worum gehts im zweitgenannten Song?

T: Ich versteh auch kein spanisch. In dem Song geht es um Freundschaften, über Leute, die sich begegnen und dann wieder auseinander gehen.

BC: Und wie kommt es, gerade ein Stück von Bronski Beat zu covern?

T: Die Idee kam von unserem Sänger. Als wir sechzehn oder siebzehn waren, war der Song gerade aktuell. Wenn man selber andere Musik macht kann man natürlich nicht zugeben, so was zu hören. (lacht) Jetzt im nachhinein kann man damit lockerer umgehen. Es war halt interessant für uns, das Stück anders wiederzugeben. Auch vom Thema her paßt es gut zu dem Album.

BC: Bei der zweiten Scheibe hattet ihr einen Gastsänger!

T: Genau, das war ein Kumpel von uns, der Brutus. Bei dem Stück waren zwei Sänger; der eine verkörperte das Gute, der andere das Böse. Brutus hat eine recht brutale Grunzstimme, unser Sänger eine typische Metalstimme. Das war etwas ganz besonderes für uns.

BC:Macht ihr weiter mit Gastmusikern ?

T: Das schließen wir nicht aus. Bei dem spanischen Song hatten wir auch Gastmusiker. Unser Gitarrist hat Flamencounterricht, und sein Lehrer hat auf der Scheibe das Stück eingespielt. Auch eine Oboe ist dabei. Mit Gastmusikern haben wir absolut keine Probleme.

BC: Was singt die Zukunftsmelodie?

T: Wir geben ein paar Weihnachtskonzerte zusammen mit Moonspell, The Gathering und noch zwei Bands. Weitere Touren sind im Frühjahr geplant.

BC: Macht ihr ein Video?

T: Ja, aber zu welchem Song wissen wir noch nicht.



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