Interview mit
Such A Surge

Essen, Zeche Carl 19.10.1996. Heute habe ich Verstärkung an meiner Seite - Alexbaby und Andy D. - die sich rege am Interview beteiligt haben. Wie Ihr alle wißt, haben wir schon 1000mal (ne, vier mal) über SAS geschrieben. Nette Jungs - bockstarke Musik. Wie dem auch sei. Vor Ort suchten wir vrezweifelt den Tourmanager, den wir auch kurz vor der Erschöpfung fanden. Heute sprachen wir mit dem Michel (dieser legte großen Wert auf die richtige Namensschreibweise.)

BC: Euer Debüt „Under Pressure“ ist ja sehr gut eingeschlagen. Ihr habt auch ausgiebig getourt.

M.: Die Tour, bzw. die Touren die da gelaufen sind, waren sehr gut. In Deutschland haben wir eine Headliner Tour gespielt, mit MR. ED und TRIEB. Das lief besser als erwartet. Dann waren wir mit DOG EAT DOG, DOWNSET und DUB WAR unterwegs. In der Schweiz und in Österreich (bei den Schluchtis - Anm. d. Autors) waren wir auch.

BC: Ihr ward auch mit BIOHAZARD auf den Gassen.

M.: Das war aber bevor „Under Pressure“ raus kam. Ja.

BC: Seid ihr schon in den USA gewesen?

M.: Nein. Das ist auch eigentlich nicht das Ziel. Wir wollen erstmal hier den Markt aufbrechen.

BC: Ihr habt auch französische Texte, die du singst.

M.: Auf dem neuen Album haben wir das Stück „T’as Perdu“. Das ist ein Song, der folgendes besagt: Wenn ich gewonnen habe, hast auch du gewonnen. Ich lasse mir nicht sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe. Das ist mein eigener Weg den ich ging und auch weiterhin gehen werde.

BC: Das neue Album heißt „Agoraphobic Notes“ !!!

M.: Genau. Agoraphobie ist eine Gesellschaftskrankheit, die erst in den letzten 10 - 20 Jahren so richtig entstanden ist. Das sind Menschen, die Angst haben nach draußen zu gehen. In ihren eigenen vier Wänden fühlen sie sich am wohlsten. Sie bleiben auch da, und lassen sich nur vom Pizzaservice versorgen. Heutzutage muß man nicht raus gehen, um zu existieren.

Ich würde also nicht sagen, daß einer von uns Agoraphobie hat... Ich glauabe aber, daß jeder von uns diese Symptome zumindest teilweise hat. Wir waren letztes Jahr sehr viel unterwegs. Es wurden beinahe 200 Konzerte gespielt. Das wurde dann irgendwann sehr viel. Da gibt es auch viel zu verarbeiten.

Wir sind aus dem Übungskeller steil nach oben gegangen. Das Problem ist, in einer ganz eigenen Welt zu leben, wenn man ständig auf Tour ist. Man hat alles da. Es geht aus dem Bus in den Backstageraum. Ein Cateringtyp stellt einem das Essen hin. Es ist alles vorhanden, was man zum Leben braucht.

Dann geht man auf die Bühne, und wird von ein paar hundert Leuten bewundert. Und dann kommst du nach Hause, machst deinen Kühlschrank auf, und mußt feststellen, daß nichts drin ist. Dann muß man erneut lernen wieder ein bürgerliches Leben zu führen. Man muß wieder Kontakt zu Menschen herstellen, die in deinem Umfeld sind - sprich: Freunde und Bekannte. Da ist man wieder auf sich selbst angewiesen.

Das ist die Twilightzone, die ich meine. Wir haben die Scheibe so genannt, da es für uns eine Verarbeitungsplatte ist. Wir haben gelernt, uns über ganz andere Sachen Gedanken zu machen. Es geht nicht mehr zu sehr darum, nach außen zu schauen. Jetzt sehen wir in den Spiegel. Die Songs sind ehrlicher; beschreiben mehr meine Gefühle.

BC: Wie siehst du die Unterschiede zwischen den Alben?

M.: Wie schon gesagt: bei „Under Pressure“ haben wir aus dem Fenster geschaut. Jetzt gucken wir in den Spiegel. Die Scheibe ist düsterer geworden. Wir sind auch auf den Instrumenten besser geworden. Die Gesangsparts haben sich verstärkt. Die ganze Sache ist reifer - hat jetzt mehr Fundament.

BC: Wird es eine Singleauskopplung geben?

M.: Wir hatten schon einen Vorabrelease zu dem Song „Ideale“. Dazu haben wir auch ein Video gemacht. Die neue Single ist „Ich Sehe Dich“. Das Video dazu haben wir in L.A. gedreht.

BC: Was passiert nach der Tour?

BC: Euer Debüt „Under Pressure“ ist ja sehr gut eingeschlagen. Ihr habt auch ausgiebig getourt.

M.: Heute ist der letzte Tag fürs erste. Man kann es aber auch den Anfang nennen. Wir waren jetzt gerade 24 Tage unterwegs, haben dann 10 Tage Pause. Dann gehts weiter in die Schweiz und nach Österreich. Mitte Novemer sind wir dann fertig. Jetzt wollen wir mal sehen wie die Scheibe läuft. Vielleicht touren wir nochmal im März / April ‘97. Aber unbedingt scharf bin ich darauf nicht. Wir waren ein ¾ Jahr auf der Straße. Es ist lustig, aber es macht einen auch ganz schön fertig. Man bekommt nichts mit. Es könnte irgendwo eine Bombe hochgehen, und wir würden es nicht merken, weil wir gerade Musik machen. Da geht man irgendwie am Weltgeschehen vorbei.

BC: Wie war es denn auf dem BIZARRE Festival zu spielen?

M.: - lacht - Das war eines der Konzerte, wo ich mal wieder richtig Lampenfieber hatte. Es waren 30.000 Leute da. Der Ansager ist auf die Bühne gegangen und kündigt an: „Jetzt kommt S.A.S.!“ Es war sehr geil. Die Hitze allerdings hat es ein wenig erschwert. Auf der Bühne war es sehr warm, und ich will nicht wissen, wie groß die Hitze im Diverpulk war.

BC: - man hat der ne schöne Lache - Ihr habt ne gute Connection zum Publikum.

M.: Das war schon immer so. Wir geben denen was, und die geben uns was. Und das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich auf der Bühne stehe.

BC: Kompliment an dieser Stelle. Das hatte echt gut funktioniert. Ihr ward dort die einzigen, die Stagediving machten.

M.: Ja, das überkommt einen manchmal. Ich mache es gar nicht so oft, aber da wußte ich, das keiner eine Chance hatte, zur Seite zu springen. - nun schüttelt er sich vor Lachen - Man sichert sich doch gerne ab. Einige Male bin ich schon abgeschmiert.

BC: Hattet ihr Kontakt zu den anderen Bands vor Ort?

M.: Schon, aber nicht sehr intensiv. Ich weiß dann nicht was ich sagen soll; auf Smalltalk habe ich echt keinen Bock. Es herrscht aber eine höfliche Form von Freundlichkeit dort.

BC: Wie kam es, daß ihr den „Populär“ Mix der FANTA 4 gemacht habt?

M.: Wir haben eine Anfrage bekommen. Die hatten mehrere Bands angesteuert. Wir kennen die FANTAs auch persönlich, seit Anfang ‘90. Die kannten uns eben auch - und unsere Musik. Und so sind sie dann auf uns gekommen.

BC: Ihr habt das aber selber komplett aufgenommen.

M.: Der Hintergrund des ganzen war, daß wir darin nicht so die Erfahrung haben. Das war unser erster Remix, den wir überhaupt von einer Band gemacht haben. Sie haben uns ein DAT mit Samples geschickt. Das gibt man in den Computer ein und bastelt es zusammen. Dann versucht man einen Song daraus zu machen. Leider haben wir davon keine Ahnung. - wie bescheiden er doch ist - Mit den Samples konnten wir rein gar nichts anfangen. Dann sagten wir: „Gut machen wir einen neuen Song und packen den Gesang einfach drauf.“

BC: Habt ihr denn sonst Ambitionen, mit anderen Bands zu arbeiten?

M.: Klar, es liegt meistens an der Zeit und Gelegenheit. Der Oliver hat bei der letzten JAZZ KANTINE was dazu getan. Er hat gerappt.

BC: Hattet ihr selbst schon irgend welche Freestyle Rapper, die ihr dann rauf geholt habt?

M.: Auf der neuen CD ist das Stück „Das Netz“. Da machen der Michi von den FANTAs, STATE OF DEPARTMENTS und MC RENEE aus Braunschweig mit. Wir haben uns alle in Berlin getroffen. Es war ganz lustig. Dabei haben wir immer schön Fußball geguckt. Letztes Jahr hatten wir auch dieses „Strange Days“ gecovert. das sind so die größten Sachen, die wir als Projekte gemacht haben. Es gibt da aber keine Grenzen. Wir wollen möglichst weit gefächert bleiben. Musik hat viele Facetten.

BC: Improvisiert ihr dann auf der Bühne, wenn die Gastmusiker nicht da sind?

M.: Das Stück spielen wir nicht. Es wurde halb Live eingespielt - mit Samples belegt. Das könnte man in diesem Sinne gar nicht so richtig auf die Bühne bringen. Es wäre auch unmöglich, dafür die ganzen Leute zusammen zu kriegen. Es wäre doch stumpf, wenn ich z.B. Michi’s Part übernehmen würde. Ich könnte es nie so wie er machen. Außerden wäre das alles viel zu teuer.

Das wars leider schon. Also ab in die Pommesbude, Walkman über’n Kopf und rein mit der Musik - in den Gehörgang. Mit „Agoraphobic Notes“ haben SUCH A SURGE wieder mal ein Meisterstück absolviert, besungen in deutsch, englisch und französisch. Das erste Album war gut - das jetztige ist besser.



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